Asentr.eu © V. Wagner 1994-2008 | 25.10.2007

Autogenes Training

Hinweis: Im Text erwähnte Bücher, Produkte u. weitere Verweise finden sich hier.

AT, das autogene Training, ist eine Entspannungmethode, die vom Nervenarzt Dr. Johann Heinrich Schulz im Jahr 1932 entwickelt wurde. Das Ziel des AT ist es, einen hypnotischen Versenkungszustand zu erreichen und der Weg dorthin ist "autogen", also selbstgeschaffen. Kein äußerer Hypnotiseur wird gebraucht, aber auch keine Muskelübungen, wie z.B. bei der Progressiven Relaxation. Im AT benutzt man Konzentration und Suggestivformeln (Ruhe, Schwere, Wärme, Herzübung, Atmung, Bauchübung, Stirnübung ...), um Spannungen im Körper abzubauen und Körper und Geist zu entspannen (= Unterstufe: Übungen). Jede Übungseinheit muß "zurückgenommen" werden, was durch tiefes Einatmen und Anspannen der Muskeln geschieht ("Arme fest, tief atmen, Augen auf!").
Wenn diese ersten Schritte gemeistert sind, kann man mit sogenannten formelhaften Vorsätzen arbeiten, das sind wiederholte kurze Sprüche, die über den Weg des Unterbewußtseins eine Verhaltensänderung bewirken sollen. Dabei ist es sogar möglich, psychosomatische Krankheiten zu heilen. Weiterhin werden Bilder oder Situationen vorgestellt, von konkreten Gegenständen (brennende Kerze) bis zu abstrakten Werten (Mut). Auch imaginative Reisen - ähnlich der Pfadarbeit - kommen vor, z.B. eine Reise zum Gipfel eines Berges (= Oberstufe). Zitat: "Die Übungen der Oberstufe des autogenen Trainings sollen zur meditativen Versenkung anregen" (Stiftung Warentest, Alternative Heilmethoden)
Tatsächlich berichteten Kriegsgefangene, daß sie diese extreme Streßsituation nur durch Anwendung der AT-Techniken aushielten. Der Survivalexperte Rüdiger Nehberg hat beispielsweise 1981 auf seinem 1000km-Marsch durch Deutschland ohne Nahrung die Suggestivformel "Du läufst durch feindliches Land. Erst in Oberstdorf ist die Gefahr gebannt" verwendet.
Ich bin Ende der 1980er Jahre (u.a. durch Nehberg) auf das AT gestoßen, weil ich mich mit Meditation beschäftigte und dabei nach einer westlichen Form suchte. 1987 habe ich einen entsprechenden Einführungskurs gemacht. Man muß natürlich festhalten, daß das AT doch noch einmal etwas anderes ist als z.B. die buddhistische Achtsamkeitsmeditation. Schulz ging es bei der Entwicklung des AT darum, eine Methode zu finden, die unabhängig von Kultur und Religion des Praktizierenden anwendbar sein würde. Gleichwohl schrieb er aber in seinem Buch: "Ein so allgemeines und so vielfache Probleme des Seelenlebens berührendes Verfahren wie das autogene Training enthält seinem Wesen nach eine Fülle von Beziehungen zu den allerverschiedensten Erscheinungen der Ethnologie und Religionspsychologie."
So werden in verschiedenen Kapiteln Mystik, Schamanismus, Yoga, Hypnose uvm. angeschnitten und dem autogenen Training gegenübergestellt.

Die von mir verwendeten Formeln lauten:
Körper ist ganz schwer. Ich bin ganz ruhig.
Körper ist angenehm warm. Ich bin ganz ruhig.
Herz schlägt ruhig und regelmäßig. Ich bin ganz ruhig.
Atmung ist ruhig und regelmäßig. Ich bin ganz ruhig.
Bauch (oder Sonnengeflecht) ist ganz warm. Ich bin ganz ruhig.
Stirn ist angenehm kühl. Ich bin ganz ruhig.

Die therapeutische Wirksamkeit von autogenem Training als Ergänzung zu einer herkömmlichen Behandlung ist bei den Anwendungsgebieten Angina Pectoris, Asthma, Ekzem, Epilepsie, Fibromyalgie, Glaukom, Kopfschmerzen, milde Depression, neurovegetative Dystonie, Raynaud-Syndrom, Schlafstörungen, Stress, Sudeck-Krankheit und Tinnitus nachgewiesen. Die mit diesen Erkrankungen verbundenen Beschwerden gehen unter autogenem Training zurück. (...)
Der Nachweis der therapeutischen Wirkung des autogenen Trainings auf hohen Blutdruck ist bisher noch schwach.
   [Stiftung Warentest, Alternative Heilmethoden]

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