DisaBlot / Disenopfer (Lichtmeß, Lichterweihe, Fastnacht) / Fröblot / Landesopfer; "Bauernneujahr"
Termin: "Wenn Dreizehnttags Neu zu Vollmond geht, dann Disathing in Uppsala steht." - also am
Vollmond, der dem ersten Neumond nach Jul folgt.
Für das Disting wird zwar der 2. Hornung (Lichtmeß) angegeben, aber es hat wohl -
wie alle germanischen Feste - an mehreren Tagen stattgefunden. Disting - Disa-Thing -
verweist auf eine Veranstaltung im
"Stammesrahmen" (entsprechend den Winternächten)
- im Gegensatz zum familiären Julfest. Gegen Ende der Winterzeit treffen
sich die einzelnen Sippen also das erste Mal im neuen Jahr. Es werden Jahrmärkte abgehalten. Die
Tradition, das Disting Anfang Hornung zu feiern, stammt aus Schweden (Uppsala).
Dort war das Disablot mit Markt und einer Landesfeier verbunden.
Die Sowilo-Rune repräsentiert hier das erstarkende Licht, Algiz ist etwas schwerer einzuordnen,
F. Aswynn assoziiert sie mit den
Walküren; Perthro ist vielleicht der Neuanfang.
Kluge schreibt, daß das Wort ’Fastnacht’ nur sekundär
als ’Vorabend der Fastenzeit’ zu sehen sei.
’Fas(t)’ sieht er im Zusammenhang mit ig. pwos-, was ’reinigen, läutern’ bedeutet. Von daher sind
Disting und Fastnacht als eine Reinigungszeit zu interpretieren.
Martin hingegen schreibt, Fastnacht komme
von "fasen", germ. *faso (riesenhafter Übermut) oder faseln (wirres Gerede) und
bezieht dies auf lautes Lärmen, um die Mächte des Winters zu vertreiben. Von daher
auch der Hinweis auf die karnevalistischen Tier- oder Dämonenmasken.
Das Wort ’Karneval’ beleuchtet einen anderen Aspekt.
Es wird von manchen Autoren als carrus navalis gedeutet, was ’Schiffswagen’ bedeutet. Damit wäre
es ein Hinweis auf zu dieser Zeit stattfindende Fruchtbarkeitsprozessionen durch die Felder, auf denen ein Wagen
mitgeführt wurde, der einem Boot glich. Sinnigerweise zeigen heutige Karnevalswagen noch oft dieses Motiv.
Kluge deutet Karneval allerdings im Zusammenhang mit der Fastenzeit.
So auch Martin, der "carne vale!" als
"Fleisch adé!" deutet.
Heß schrieb im Oding-Forum, daß sich
Fastnacht von "Faselzeit" herleite: Wortwurzel fas, mhd. vaselen = gedeihen, fruchten,
vermehren. Die Zuchtsau sei auch als Faselsau bezeichnet worden. Von daher sind die Faselnächte
eine Zeit der ausgelassenen Feiern maskierter Menschen, bei denen der "Fruchtbarkeitsaspekt" nicht zu kurz
komme - eben in Korrelation zum wiedererwachenden Frühling. Die christliche Kirche habe dann aus
der Faselzeit die Fastenzeit gemacht.
In manchen Gegenden beginnt es schon zu tauen, ansonsten herrscht noch "tiefer Winter".
Nach dem Disting kommen meist die ersten Blumen (wie Schneeglöckchen oder Krokusse) aus
der Erde. In meinem Heimatort kann man oft schon Anfang Hornung Kraniche des Nachts durchziehen
hören. Es ist ein sehr emotionales Erlebnis, im Dunkeln draußen zu stehen und am
schwarzen Nachthimmel das Trompeten der ziehenden Formationen zu hören.
Naturmythisch ist dies die Zeit des erstarkenden Lichts. Es ist zwar immer noch empfindlich kalt, aber
die Tage werden deutlich länger. Disting ist ein Fest des Lichtes und in allen Ritualen kommen
Feuer und Kerzen vor. Bei diesen Ritualen wendet man sich speziell an die Disen (Idisen).
Insgesamt kann man Disting als ein "Frauenfest" ansehen, wozu die Perthrorune
(Frigg, Nornen) paßt.
Früher endete zu diesem Fest auch die Spinnstubenzeit. Für das bäuerliche
Gesinde war dieses Fest früher der "Wechsel- und Verdingungstag".
Da Disting ein Fest der Reinigung und des Lichts ist, sind Rituale auch darauf ausgerichtet,
aber auch auf die bevorstehende Aussaat. Man wendete sich vermutlich in früher Zeit an
Erdgottheiten mit der Bitte, die Saat aufgehen zu lassen. Passend ist z.B.
der Angelsächsische Flursegen als Anrufung.
Man kann heute z.B. sehr gemütliche Feste ausrichten, bei denen man ein warmes, duftendes Bad
bei Kerzenschein nimmt. Danach eignet sich am besten eine Meditation vor dem mit Kerzen geschmückten
Altar. Disting ist für mich eine Mischung aus Privatheit und öffentlicher Vorfrühlingsfeier.
Man möge sich auch vor Augen halten, daß das christliche Fest in dieser Zeit "Fastnacht"
ist - Fasten hier als ein Reinigungsprozeß.
Man kann auch einen Umzug durch die Natur machen oder sich eines alten Frühlingsbrauches entsinnen: Dem Schlagen
des Körpers (früher auch des Viehs) mit Birkenreisern - ein altes Fruchtbarkeitsritual.
Im Anschluß an das Disting begann in früheren Zeiten wieder die Feldarbeit. Dazu gab es
ein kleines, wohl eher privates Ritual der "Pflugsegnung". Bald kommen auch die Lämmer
zur Welt, worauf der irische Name für das Fest - Oimelc (Schafsmilch) - hinweist.
Und dann im Winter die große Einsamkeit der tiefverschneiten, lautlosen Wälder. Eine dicke Schneedecke ließ für Monate die kleinen, verstreuten
Dörfer in der Weite der Landschaft verschwinden. Glitzernde, von den Schlittenkufen blankpolierte Wege, krachender Frost. Pelzmützen und Filzstiefel. Und so mancher
Tag, an dem man auf Skiern über die Felder oder durch den Bestand einer Fuchsfährte folgte, die, einer Perlenschnur gleich, in den unberührten Schnee gelegt schien.
Früh trat um diese Zeit die Dunkelheit ein. Schon um drei Uhr wurden die Lampen angezündet, und im Kamin fielen die Scheite funkenstiebend zusammen.
Endlos erschien der Winter, die kurzen Tage und langen Nächte und auch die nie endenden Ansprüche der Hauslehrer an den Schüler. Bis dann eines Tages die Stürme, die
durch die alten Alleen brausten, im Walde die Fichten kreuzweise übereinanderlegten. Kilometerweit traten dann die Flüsse über die Ufer, alle Wege wurden grundlos,
und an den geheimnisvollen Abenden hörte man den Schrei der nordwärts ziehenden Wildgänse: Frühling. Ein Frühling, elementar und gigantisch, der nicht nur
die Natur in mächtigen Unwettern schüttelte, sondern auch die Menschen, die monatelang in Abgeschiedenheit gelebt hatten, träumend, wartend, grübelnd.
So wurde Schicht auf Schicht gelegt, verging Jahr auf Jahr im Rhythmus der Natur, die alles bestimmte im souveränen Gleichmaß und die doch voller Abenteuer war
mit unheimlichen Erscheinungen im nächtlichen Wald und seltsamen Geräuschen am Ufer des dunklen Sees. Generation auf Generation war so herangewachsen und
hatte erlebt, daß fast unbemerkt aus Spiel Verantwortung wurde.
[M. Gräfin Dönhoff, Namen die keiner mehr nennt]