Herbsttagundnachgleiche (Erntedank)
Termin: 22./23. Scheiding
An diesem Fest beginnt das Winterhalbjahr; der Winterbeginn als solcher wird aber erst in den
Winternächten gefeiert. Man kann Herbstfest und Winternächte
aber zu einer Feier zusammenziehen. Dieses Fest "at vetrnóttum" hat historisch
vermutlich um den 14. Gilbhard stattgefunden. Herbstfest und
Julfest waren in historischer Zeit vermutlich die
am umfangreichsten gefeierten Feste.
Ursprünglich vermischten sich in diesem Fest Dank an die Erdmutter (für die Wachstumskraft, die sich in der
Ernte manifestiert hat) mit Dank an den Himmelsvater (für Sonne und Regen, die die Ernte gedeihen ließen) (s.u.).
Gebo ist absolut passend für dieses Fest. Raidho symbolisiert hier
die vollendete Ordnung und Kenaz das Wissen, die Einsicht.
Herbst, die Tage beginnen recht kühl und manchmal auch schon neblig. Die Zeit des
Altweibersommers geht vorbei. Die Bezeichnung "Altweiber" bezieht sich wohl auf die
Nornen, die am Gewebe des Schicksals spinnen.
Im Altweibersommer sieht man einige dieser "Fäden" durch die Lüfte treiben.
Nach anderer Deutung sollen diese Fäden das graue Haar alter Frauen symbolisieren.
Das Getreide ist in der Scheune. Man erntet nun die Früchte
der Natur, das Obst, die Beeren und repariert die Feldgerätschaften vor dem Winter. In den
Bergen findet der Almabtrieb statt (je nach Witterung auch schon früher).
Ich sehe das Fest als bestes Beispiel für Polytheismus an. Beim Herbstfest wird vielen Gottheiten gedankt, die alle in irgendeiner Weise an der Ernte und dem Wohlergehen der Menschen beteiligt waren / sind. Freyr und Freya, mit ihrer ungestümen, jetzt manifest gewordenen Fruchtbarkeit; Frigg, die Haushalt und Mütterlichkeit vereint; Wotan, der Befruchter; Thor, der Beschützer. Ihnen allen wird in einem groß angelegten Blot gedankt, wobei ich mich am meisten auf Wotan, Frija und Freyr konzentriere. Der Altar / Platz sollte festlich geschmückt werden und wie heute noch beim Erntedank üblich, dürfen Früchte nicht fehlen. Am besten windet man einen Erntekranz, den man später im Feuer opfert. Vorher kann man diesen Kranz an einer Stange aufhängen (ähnlich dem Maibaum) und ihn herumtragen. Es ist ebenso Brauch, kleine Geschenke auszutauschen.