Wintersonnenwende / Mittwinter - Rauhnächte / Losnächte (Weihenächte / Weihnachten) / jolablot
Termin: 21./22. Julmond bis 1./2. Hartung (Neujahr); historisch begann das Julfest später,
so um den 14. Hartung (s. Text für Erläuterung des Feierzeitpunktes).
Das Julfest dauert 12 Nächte, diese Zeit wird entsprechend auch
Zwölfnächte ("die Zwölften") genannt. Über den Termin ist viel
diskutiert worden. Da meist wert auf den 6. Hartung gelegt wird (christliches Dreikönigsfest / heidnischer Perchtentag - Tag der Frau Holle),
lassen auch manche Heiden das Fest erst am 25. Julmond beginnen (also mit der "heiligen Nacht" vom
24. auf den 25.), so daß sie aber 13 Nächte erhalten. Dem folge ich nicht:
De Vries
schreibt, daß Mittwinter und Julfest nicht zu trennen seien. Von daher verlege ich den Beginn auf die Nacht,
die dem Tag der Wintersonnenwende vorausgeht - und zwar der Wintersonnenwende in moderner Zeit, unabhängig
davon, wann und vor welcher Kalenderreform die Sonnenwende in früherer Zeit begangen wurde.
Meist ist das also die Nacht vom 20. auf den 21.
(dem Tag der Sonnenwende), also Mittwinter / ’ad midjum vetri’. Mittwinter ist der Beginn des neuen Sonnenjahres,
nun werden die Tage wieder länger und die Sonne wird bald wieder mehr "Kraft" haben.
Die Zahl 12 hat damit zu tun, daß das Mondjahr mit 354 Tagen eben diese zwölf Tage kürzer ist als das
Sonnenjahr. Zum Ausgleich mußten Tage dazwischen geschaltet werden. Deshalb spricht man auch von
der Zeit zwischen den Jahren, einer Zeit, die nicht so richtig zum Jahreslauf dazugehört
und mit der man deshalb allerlei magisches verbindet.
Die Nacht vor der Wintersonnenwende, also meist vom 19. auf den
20. Julmond, wird auch als Mütternacht (modraneht) bezeichnet.
Die Mütter, das sind weibliche Ahnen, auch Disen genannt. Der Begriff Mütternacht weist nicht
auf eine "Große Göttin" hin, die zu Mittwinter ein "Sonnenkind" gebärt.
Träume in dieser Nacht sollen prophetische Qualität haben.
Diese Nacht bzw. der Tag vor dem Julfest sind der Frigg geweiht.
Nach dieser Rechnung endet das Julfest am 1. Hartung. Der 2. Hartung
ist wiederum ein Friggatag, der Tag, an dem die Hausarbeit, die während der
Zwölfnächte ruhte, wieder beginnt. Man sieht, daß Frigg (die auch mit Frau Holle
/ der Berchta in Verbindung gebracht wird, s.u.) das Julfest sozusagen umrahmt, was auf den
privaten, sippeninternen Charakter der Zwölfnächte hinweist.
Da die Arbeit ruht, ist das Julfest eine Zeit der Einkehr und des Rückblicks auf das vergangene
Jahr (Julfrieden).
Nordische Quellen lassen erkennen, daß die
Julzeit um die 2 Monate dauerte und erst Mitte
Hartung endete (evtl. zum Neumond dieses Monats). Das eigentliche Julfest wird dann
z.B. als Hochjul bezeichnet.
Die christliche Kirche hat übrigens erst im Jahre 325 (Konzil von Nicaea)
den Geburtstag Jesu auf das Fest der wiedergeborenen Sonne (in Rom das Mithrasfest) gelegt.
Hier wurde der Vergleich zwischen dem
Gottessohn und der sol invictus gezogen. Erst die Synode von Mainz (813) schrieb die christliche
Geburtsfeier für den deutschen Raum anstelle des Festes der Sonnenwende vor (und der
letzte Tag des Jahres wurde nach dem Papst Sylvester benannt).
"Im 4. Jahrhundert hat Papst Julius I. den 25. Dezember in
tatsächlicher Unkenntnis des Datums (von Jesu Geburt; V. Wagner) diesen Tag als Geburtstermin Jesu festgesetzt (!)
Er gab damit dem alten Sonnenwendfest - das nach dem julianischem Kalender am 25.
Dez. gefeiert wurde - ein christliches Fundament indem er die Daten vom
Sonnengott Sol-Invictus und Jesus parallelisierte. Wenn man bedenkt
das sich aus der Bibel keine Daten zum Geburtstermin extrahieren lassen, ist einsehbar
das diese Parallelisierung von römischer Sonnenwendfeier und Jesusgeburt ein politisch -
religiöser Schachzug war."
[Krischan im Eldaring-Forum]
Rauhnächte heißt das Fest, weil die Menschen
sich vorstellen, daß in den ’rauhen Nächten’
der Julzeit der Wilde Jäger Wotan (Wode)
mit seinem Totenheer durch die Lüfte zieht und Mensch und Tiere erschreckt, dafür aber
den Saaten Fruchtbarkeit bringt. Jul ist laut De Vries
eine Kombination aus Toten- und Fruchtbarkeitsfest, was man gerade an der Gestalt
Wotans sieht. Es gibt eine enge Beziehung zwischen dem Wachstum der Erde und dem
Wirken von Totengeistern.
Es kann gefährlich sein, nachts in dieser Zeit
unterwegs zu sein, viele Volksweisheiten ranken sich
um des Wodes wilde Hunde und wie man ihnen und ihrem Herrn entgeht. Der Reiter kündigt sich
mit Sturmbrausen, Hufgetrappel, Peitschenknallen und Hundebellen an. Es soll von Vorteil sein,
sich dann flach auf den Bauch fallen zu lassen und nicht nach oben zu sehen.
Grundy schildert in
Rheingold Siegfrieds Begegnung mit dem Wilden Jäger.
Henkler meint jedoch, daß die
Rauhnächte nicht mit dem Julfest identisch seien. Die Rauhnächte
setzt er früher an (christliche Adventszeit). Das macht Sinn, scheinen doch "St. Martin" (11. Neblung)
und "St. Nikolaus" (6. Julmond) mit dem wilden Reiter, dem Schimmelreiter
(Wittschimmel, Hackelbernd, Berndietrich, Hans Märten), etwas zu tun zu haben. Vielleicht kann man sagen, daß der
dunkle, wilde Aspekt des Reiters auf den "Knecht Ruprecht" (Beelzebub, Bartl, Butzenbercht, schiache
Percht, Pelzebock, Leut- / Kindlisfresser, böser Klaus) übertragen wurde. Vielleicht wollte die christliche Kirche
auch einfach dem "bösen Wode" zwei "gute" Gestalten gegenüberstellen. Ein
thüringischer Kindervers spricht von "Herr Wude, Herr Wude, Nikolaus!".
Um den Wesen, die sich laut und mit
Klopfen bemerkbar machen, etwas entgegenzusetzen, ziehen die Menschen auch verkleidet und lärmend
umher ("Klöpflesnächte") - eine Form sympathetischer Magie.
Interessant ist, daß sich für dieses Totenheer im französischen die Begriffe
Mesnie und Herlequin gehalten haben. Herlequin kommt von Harilo, was Heerführer
bedeutet und klar auf Wotan verweist.
Manche sagen, es müsse nicht Rauhnächte sondern Rauchnächte heißen, weil - wie weiter unten
beschrieben - Wohnhaus, Stallungen usw. mit Wacholder ausgeräuchert werden, bevor das neue
Jahr beginnt.
"In den regnerischen Tagen des Neblung haben wir mit den Toten Zwiesprache
gehalten. Nun sind die alten Gottheiten mitten unter uns, sicht- und fühlbar wie zu keiner
anderen Zeit. Kein fremder Gott hat sie vertreiben können, die aus uns geboren sind.
Sie leben."
[Kusserow]
Während die Vorjulzeit also von einem männlichen wilden Reiter dominiert ist, spricht man
vielerorts in der Nachjulzeit Anfang Hartung von der Perchta / Berchte
(Berta, Frau Holle, Holda, Fru Gode, Frau Frigg, Frau Harke, Schimmelfrau), einer weiblichen Erscheinung,
die mal gut, mal böse ist. Auch hier gibt es "Perchtenläufe", bei denen sich vor allem
die Jugendlichen verkleiden und lärmend durch die Gegend ziehen. Im Gegensatz zu den
"Klöpflesnächten" scheint hier ein fruchtbarkeitsmagischer Bezug gegeben zu sein.
So wird manchenorts an Obstbäumen gerüttelt
("Schlafe nicht, Bäumchen, Frau Holle kommt!") oder sie werden
mit einem Strohseil umbunden und dann mit einer "Lebensrute" geschlagen. Auch
junge Mädchen wurden nach einem Thüringer Brauch mit einer solchen Rute geschlagen.
In der Mehrzahl der Fälle scheint die Berchte aber eher
gutmütig zu sein und im Haushalt nach dem Rechten zu sehen. Sie wacht aber wohl auch
darüber, daß in den Zwölften nicht gearbeitet wird, und sie straft diejenigen, die gegen dieses Gebot verstoßen.
In manchen Überlieferungen wird die Berchte / Holle von "Heimchen" begleitet, worunter
man sich verstorbene oder ungeborene Kinderseelen vorstellt. Da mag etwas dran sein, ist es doch
interessant, daß in der Vorjulzeit ein männlicher Reiter mit einem Totenheer durch die Lüfte
zieht, wohingegen in der Nachjulzeit eine Frau mit einem "Kindertotenheer" umherzieht.
De Vries verweist im Zusammenhang mit Vermummungen
und dem Perchtenlauf auf den "gotischen Weihnachtstanz", der am byzantinischen
Hof des 10. Jahrhunderts aufgeführt wurde. Die Beschreibung habe große
Ähnlichkeit mit späteren germanischen Volksbräuchen.
Losnächte heißt das Julfest, weil man glaubt, in dieser ’heiligsten Zeit des Jahres’ könne
man mittels Runenweissagung (und allerdei anderen Methoden, wie z.B. dem Blei- oder Zinngießen)
in die Zukunft schauen und erkunden, was das kommende Jahr bringt. Die Lose (Runen) wurden
geworfen und gezogen, danach gedeutet.
Die Isa-Rune steht für die Kälte des Winters, Eihwaz bedeutet hier den Wendepunkt (des Jahres), hat
aber auch mit Weissagung und Odin zu tun. Jera ist meines Erachtens hier genau richtig eingeordnet,
sie steht für das Rad des Jahres (germ. ’giuli’) bzw. das Sonnenrad, das sich einmal weitergedreht hat.
Jera sieht aus wie ein "Scharnier"
und man kann sich vorstellen, daß diese 12 Nächte, in denen das Jahresrad stillsteht, das Jahr zusammenhalten.
Dies ist die dunkelste Zeit des Jahres, die mit unwirschem Wetter (Regen, Schnee, Kälte ...) einhergeht.
Der mythisch gedeutete Naturvorgang dieser Zeit ist die Sonnenwende, also die längste Nacht
des Jahres. Die frühen Menschen haben vermutlich geglaubt, daß die Sonne nur durch entsprechende Rituale
am nächsten Morgen wieder aufgehen würde. Die Wiedergeburt des Lichtes verheißt dann
die neue Fruchtbarkeit.
Wie I. Norden anhand der Betrachtung der
Eddamythen feststellt, ist es keine germanische Tradition, zur Wintersonnenwende von der Geburt eines
"Sonnenkindes" zu sprechen. Auch kein einzelner Gott wird zu diesem Zeitpunkt
"wiedergeboren". Der Balder-Mythus
(Tod zur Sommersonnenwende
und Wiedergeburt zu Jul = Wiedergeburt der Sonne / des Lichtes) ist völlig ungermanisch
ausgedeutet worden. Norden weist schlüssig nach, daß die Ragnarök, der Untergang der
Götter, nicht saisonal gedeutet werden können. Balder und Höd kommen erst mit der neuen
Welt zurück und sitzen gemeinsam in einer Halle - das wäre unlogisch, hier kann kein
Jahreszeitenmythus verschlüsselt worden sein. Nur einmal wird in der Edda die Geburt
eines Kindes mit der Sonne verknüpft (Vafthrudnismal). Doch auch dabei geht es um
das Überleben der Sonne nach den Ragnarök - eine einmalige Angelegenheit.
Die Ragnarök, als äußerste Katastrophe, als "Weltuntergang" sind wohl
kaum mit dem Wechsel von Sommer zu Winter und neuem Frühling zu verbinden.
Norden schließt: "no single deity,
solar or otherwise, is the real ’reason for the season’ within Asatru theology. At best,
several beliefs and practices exist - some related to the sun and nature, some unrelated."
Was also ehrt oder feiert man? Die Sonne, als abstraktes Objekt, als Sunna, die nun
wiedererstarkt, als die Lichtbringerin. Das Feuerbrauchtum symbolisiert z.B. mit den Feuerrädern
den Lauf der Sonne. Man feiert das Wiedererstarken des Lichtes, das den Frühling bringen wird.
Natürlich sind Gottheiten mit dem Julfest verbunden. So allen voran
Wotan (hier als Totengott, Gott der Ahnen, der wilde Jäger der Raunächte), und
Freyr, der die Fruchtbarkeit im neuen Jahr sicherstellen soll. Freyr,
Herr über Alfenheim, ist den Ahnen-Alfen sehr nah. Man kann sich auch vorstellen, daß Freyrs
sehnsüchtige Blicke von Hlidskjalf aus Richtung Gerd mit der Zeit der Wintersonnenwende korrelieren,
wenn man die Geschichte um Skirnirs Ritt als göttliches Frühlingserwachen deutet.
Weiterhin spielt Frigg / Frija als Mutter und Beschützerin
des Haushalts eine Rolle.
Vor allem aber wird den Ahnen gedacht, das Julfest ist ein
Fest der Sippe,
sozusagen das Hochfest der Alten Sitte.
In Indien wird diese Zeit als pitrayanam - Weg der Vorväter - bezeichnet. Wir ehren die Toten an diesem
Fest in einem eher familiären Sinn (im Gegensatz zum ’Totenfest’
Winternächte). Mit dem Totengedenken korreliert
die Hirschsymbolik, der Hirsch gilt als Totenbegleiter (nach Biber).
Die toten Ahnen können als Alben oder
Disen / Idisen vorgestellt werden, man lädt sie
zu den Feiern ein, deckt am Tisch für sie, läßt ihnen Essen an der Tür stehen.
"Die Nordmänner senden in ihrer langen Winternacht
Boten auf die Gipfel ihrer Berge, um die wiederkehrende Sonne zu erspähen.
Dann erhebt sich ein unermeßlicher Jubel und man feiert das Fest der frohen
Botschaft des Lichts."
[Plinius, nach Biber]
Das eigentliche Julritual findet in der Sonnwendnacht statt,
also der Nacht nach der Mütternacht.
Schon seit den Winternächten brannte tief im Julleuchter eine kleine Kerze. Der Julleuchter ist ca. 20cm hoch
und nach dem in Halland, Schweden, gefundenen Vorbild meist turmförmig. Auf den Seiten finden
sich Symbole, meist das sechs- oder achtspeichige Jahresrad.
Am Abend werden alle Lichtquellen
und das Herdfeuer ausgelöscht, als einzige Lichtquelle brennt die Kerze im Julleuchter weiter.
Das Haus wird dann mit Wacholder- oder Salbeirauch geräuchert. Das dient der Reinigung wie auch -
nach anderer Deutung - der "Heimholung" der Ahnenseelen (Biber).
Man trägt die Räucherung durchs Haus und spricht z.B. "Glück
ins Haus! Unglück hinaus!"
Kern der Feiern ist das Julfeuer (oder zumindest der Julleuchter),
das als einzige Lichtquelle die ganze Nacht über brennt.
Dieses Feuer besteht idealerweise aus dem "Julholz", einem speziellen Eichenholz-Block.
Man hält nun ein Blot ab, ein Julritual, in dem man den
Göttern für das scheidende Jahr danken und um ein neues, gutes Jahr bitten kann.
Man bleibt die ganze Nacht auf, singt und feiert und hält
sozusagen Wacht bis die Sonne aufgeht. Man kann die Zeit auch dazu nutzen, den Julbaum
aufzustellen, das Haus mit immergrünen Pflanzen zu schmücken usw.
Beim Sonnenaufgang wird vom Julfeuer das Herdfeuer (symbolisch) neu entfacht.
Die Kerze des Julleuchters wird nun oben auf diesen draufgestellt als Zeichen der Wiedergeburt des
Lichtes. Diese Kerze (idealerweise das Julfeuer) sollte die Zwölfnächte über Tag und Nacht brennen.
Am frühen Morgen, nach der Begrüßung der Sonne, bietet sich ein üppiges Frühstück an,
wobei man für die Ahnen symbolisch den Tisch ebenfalls deckt.
Die Asche des Julholzes wird als glücksbringend aufbewahrt. Hat man noch unverbrannte Reste
des Holzes, dann bewahrt man sie ebenfalls auf und verbrennt sie im Julfeuer des nächsten
Jahres. Die Asche kann auch dem Vieh unter das
Futter gemischt werden. Wer nicht im eigenen Haushalt feiert, nimmt vom neuen Herdfeuer eine
Fackel (Kerze in Laterne) mit nach Hause. Daraus kann man einen richtigen Fackellauf machen.
Feuerbräuche begleiten beiden Sonnenwenden: Brennende Räder werden Hügel hinabgerollt,
große Feuer werden auf Hügeln entzündet (s.a. "Martinsfeuer").
An den weiteren Abenden der Zwölfnächte wird ebenfalls zu Feiern zusammengekommen und
es werden auch die sogenannten Juleide (jólaheiti)
geschworen (also das heidnische Pendant zu den guten Vorsätzen von Silvester) und darauf der
Julbecher (bragarfull; mehr dazu unter Sumbel)
getrunken. "An diesem Abend wurden Eide geleistet. Der Opfereber wurde vorgeführt,
die Männer hielten ihre Hand auf ihn und legten dann ein Gelübde ab beim
Trinken des Eidesbechers." (Lied von Helgi Hjörwardssohn, nach
Häny). Man beschenkt sich auch (Julklapp).
Weiterhin gibt es die Tradition, den "Drei Schwestern / Mägden",
den "Heiligen Schwestern" oder "Saligen Fräulein"
(= den Nornen) abends eine Opferschale zu
füllen und über Nacht stehen zu lassen. Noch im 11. Jahrhundert war dieser Brauch
der christlichen Kirche ein Dorn im Auge: "Hast du, wie manche Weiber es zu gewissen Zeiten
zu tun pflegen, zu Hause einen Tisch aufgestellt mit Speis und Trank, damit jene drei Schwestern,
die man in alten, törichten Zeiten Nornen nannte, kämen und davon genössen?" (Bischof
Burchard von Worms, nach Biber)
Ein anderer Brauch sind lärmende Umzüge,
um die Winterdämonen einzuschüchtern oder - nach anderer Deutung - die Natur wieder
zu erwecken, damit im Frühjahr wieder alles grünt. Das lebt weiter in der heutigen Silversterknallerei.
In den Zwölfnächten soll man nicht arbeiten, da das Unglück bringen kann. Da
das Rad des Jahres in diesen Nächten still steht, sollen bis zum Friggatag insbesondere solche Tätigkeiten
nicht ausgeführt werden, bei denen sich Räder drehen (spinnen ...).
Geschmückte Bäume (oder Eiben- / Wacholderzweige) gehören ebenfalls zur Jultradition, so unser "Weihnachtsbaum", der eine lange Tradition hat, aber nicht wirklich als genuin heidnisch belegt werden kann. Die erste, mir bekannte Erwähnung stammt von 1419, als Freiburger Bäcker in der Adventszeit einen Baum mit Nüssen und Früchten behingen, der von Kindern zu Neujahr "geplündert" werden durfte. Zwei Jahrhunderte später, 1611, wird von Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien berichtet, daß sie einen Weihnachtsbaum mit Kerzen schmückte - und es war Goethe, der den Baum mit "Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfel"(n) im "Werther" in die deutsche Literatur brachte. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts akzeptierte die katholische Kirche den Weihnachtsbaum und fügte ihn mit der Krippe zu dem christlichen Weihnachtssymbol zusammen. Zwar gibt es schon von 580 u.Z. ein kirchliches Verbot, nach dem es zu unterlassen sei, "mit dem Grün der Bäume die Häuser zu umgeben oder zu bekränzen" (nach Ulbrich / Gerwin). Da Blumen- oder Blätterschmuck ja nichts ungewöhnliches sind, kann man vermuten, daß die Germanen dies auch kannten und nutzten. Die immergrüne Tanne bietet sich ja gerade im Winter als Symbol der Hoffnung auf einen neuen Frühling an. Schon sehr spekulativ ist es, wenn man das Schmücken des Baums mit Opfergaben in Verbindung bringt, die man in heidnischer Zeit auch in Bäume hängte. Auch Mai- oder Mittsommerbaum haben heidnisches Brauchtum als Ursprung. Ebenfalls zu dieser Tradition im weiteren Sinne gehören die Lichterbögen oder auch Weihnachtspyramiden, die z.B. aus dem Erzgebirge stammen.
"Der ’Osservatore Romano’, das amtliche Blatt des Vatikan, sprach noch
1935 von der ’heidnischen Mode des Weihnachtsbaumes, eines Überbleibsels alter
Naturgebräuche’, und trat für die Abschaffung des nordischen Brauches ein."
[Biber]
In früheren Zeiten wurde dem Vieh die letzte geschnittene Korngabe gegeben, die man von der Ernte dafür
aufgehoben hatte (die allerletzte wurde ja für Sleipnir stehengelassen).
In der Julzeit spielen Äpfel und Nüsse, traditionelle Fruchtbarkeitssymbole (s. Idun),
eine große Rolle.
Das traditionelle Julgericht ist Wildschwein, alternativ wird heute z.B. auch
Julkuchen in "Schweineform" gebacken. Der Juleber
(zu Ehren Freyrs) wurde früher laut Gulathingsgesetz mit der
Bitte til ars ok til friðar geopfert, also mit der Bitte um ein gutes Jahr und Frieden.
Ein weiteres traditionelles Mahl ist Pferdefleisch, da man früher Pferde dem Freyr, aber auch
Wotan / Odin opferte.
Für die Missionare in Sachsen oder auch Hessen war der Verzehr von Pferdefleisch ein ausgesprochenes
Zeichen für weiterbestehendes Heidentum (Simek).
Neulich habe ich gelesen, daß die Form des heute noch bekannten Christstollens (Weihnachtsstollen)
bewußt dem Schweinerücken ähnelt, Henkler schreibt allerdings, er soll
das gewickelte Jesuskind darstellen - nun ja ... Generell ist Jul die Zeit des Gebäckes
("Weihnachtsplätzchen") und es wird viel mit Honig als Zutat gebacken.
Traditionelle Formen sind: Pferd oder Wilder Reiter, Hase, Storch, Schwan, Hirsch, Fisch, Radkreuz / Sonnenrad,
Sterne, Schiff, Juleber, Hahn (der die wiedergeborene Sonne als erster begrüßt), Mann und Frau am
Lebensbaum, ein Wickelkind.
Auch mit diesem Backwerk hatte die christliche Kirche so ihre Probleme. Der "Heilige Eligius"
(588 - 659) verordnete: "Niemand soll zu Anfang Januar verruchte oder lächerliche Vetteln oder Hirschlein
oder andere Teigfiguren oder Liebessymbole backen." (nach Biber)
Zum Thema der Julzeit im schon christianisierten, aber doch grund-heidnischen Norwegen gibt es ein schönes Buch von Verhagen: Dreizehn Nächte in Norge. Die schönen Julbaumkugeln mit dem Irminsulmotiv gibt es beim Nordwelt-Versand.
"Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft
ich atme ein den verlockenden Duft
Yulezeit ist da, Yulezeit ist da
Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht
die Sonne wendet und Balder erwacht
Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf
Der Tannenbaum in seiner Pracht
Der Yuleast lodert hell durch die Nacht
Stimmungsvolle Ruh, stimmungsvolle Ruh
Das Licht am Himmel die Hoffnung bringt
und Tor wild seinen Hammer schwingt
Kraft fürs kommende Jahr, Kraft fürs kommende Jahr
Frey und Freyas Sinnlichkeit
bringt Liebe, Lust und Fruchtbarkeit
Leben wird weitergehn, Leben wird weitergehn
Oh, Wintersonne, das Fest für Sie
Met, Korn und das Blut, unsere Gaben an Sie
Auf ewige Wiederkehr, auf ewige Wiederkehr
[© Hagalaz Runedance: Das Fest der Wintersonne (ein Weihnachtslied)]
"Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten leisen Tann.
Dann preßt er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus;
Die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,
nur innen horchen sie hinaus."
[R.M. Rilke]
"Song for the Midwinter Sacrifice
Now the nights of need are long;
darkness veils the settlements in Midgard.
Trolls and giants trample the roads;
wights walk freely in the world.
Now the nights of need are long;
breezes blow coldly and fiercely.
Hastily the spirit-procession rushes forth,
Odin’s Hunt on the winds of Yule.
Now the nights of need are long;
the winds of the winter sky are raging.
Bravely Thor fights against the giants,
defends the children of Embla eagerly.
Now the nights of need are long;
ice glistens on all fields.
The boar-god comes to farmsteads:
Freyr sees frost-hard earth on his path.
Soon the nights of need will be short;
a guardian-tree keeps its lonely watch.
The spirits of the kin -- elves and Disir --
receive their gift from the farmstead’s people.
Soon the nights of need will be short;
the people of the farmstead are celebrating the sacrifice.
Many gods’ memories are honored --
Æsir and Vanir without number.
Soon the nights of need will be short;
the fire glows from the farmstead,
and divine guests are joyfully welcomed.
Tradition and memory seldom betray one."
[© Ingeborg S. Nordén]