Frühjahrs-Tagundnachtgleiche - (Ostern)
Termin: 20./21. Lenzing
Auch bei diesem Fest gibt es unterschiedliche Termine. Für mich liegt Ostara auf dem 21. Lenzing, dem Tag des Frühjahrsäquinoktiums und dem Beginn des Sommerhalbjahres. Andere feiern am Vollmond nach dem 21. Lenzing, so daß das Fest oft in den nach ihm benannten Monat fällt. Das christliche Ostern wurde im Jahr 325 u.Z. (Konzil zu Nicaea) als bewegliches Kirchenfest auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gelegt. Zu erwähnen wäre noch, daß in Skandinavien der 14. Ostaramond als Första Sommardag bezeichnet wird.
Frühlingsstürme, Regen und Sonnenschein - die Natur erwacht aus ihrem
"Winterschlaf". Die ersten (frühen) Zugvögel sind wieder da, manche
Vögel brüten schon.
Ostara ist ein Frühlingsfest, das aber im Gegensatz zur Wonnenacht
noch den Charakter des Kampfes zwischen Kräften des Lichts und der "Winterdämonen"
hat.
Mit dem Fest wird die Gottheit "Eostra / Ostara" verbunden.
Ostaras nordgermanische Entsprechung könnte Idun sein,
die die Äpfel der Jugend für die Götter verwahrt
(ewige Jugend = ewiger Frühling). Das Ostarafest ist für
mich auch das Fest der Nerthus, Mutter Erde, von
der Tacitus berichtet. Ostara ist eher
die "asische" Göttin des Frühjahrs, während Nerthus /
Njörd die entsprechenden
Vanen sind.
Die zugeordneten Runen verweisen
allerdings auf die Parallele zum Herbstfest:
Tiwaz = Himmelsvater und Berkana = Erdmutter / Ostara, die am Ostarafest
eine Vereinigung (Ehwaz) eingehen.
Der Hase ist das heilige Tier Eostres, Gundarsson
vermutet, daß er nur zu diesem Fest gegessen werden durfte. Dazu paßt, daß
im Jahr 755 das Essen von Hasenfleisch durch Bonifatius und Papst Zacharias verboten wurde
(nach Monson / Briswalter). Später wurden dann auch
Kuchen / Brote in "Hasenform" gebacken ("Gebildebrote"), was z.B. auch
zum Julfest üblich ist. Weiterhin sind die uns
noch wohlbekannten Ostereier ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol.
Sie wurden wohl schon in früher Zeit auch gefärbt, aber wohl erst in jüngerer
Zeit mit dem Hasen verbunden. Zum Färben mit natürlichen Substanzen, s.
Monson / Briswalter.
Maier sieht das alles kritischer, er schreibt, daß
Bezeichnungen wie "Osterei" und "Osterhase" erst im 17. Jahrhundert bezeugt sind und
daß man die damit verbundenen Vorstellungen von christlicher Motivik ableiten könne.
Das (christliche) Osterlamm kann eventuell als Umdeutung des "Thorswidders" gesehen werden, der zu
Ehren Thors geschlachtet wurde.
Ein weiterer Brauch ist das "Ostarawasserholen".
Wasser, das man am frühen
Morgen des Ostarafestes von einer Quelle im Wald holt, soll besondere Kräfte haben.
Das gleiche gilt für die Asche des Ostarafeuers. Denn auch zu
Ostara wurden große Feuer angezündet, mit deren Wärme und
Helligkeit man dem Winter zeigen wollte, daß er nun gehen müsse.
Vermutlich wurde zu diesem Zeitpunkt auch eine Prozession
("Flurumgang") durch die Felder gemacht. Von genau dieser berichtet
Tacitus. Das Symbol der Göttin wurde aus dem Hain gebracht und auf einem Wagen über die
Äcker gezogen. Die Fruchtbarkeit der Göttin wurde so auf die Erde übertragen (Nerthus
= Erde). Unsere heutigen Karnevalsumzüge (s.a. Disting)
sind wohl noch eine Reminiszenz. Aber sie deuten
gerade bei der alemannischen Fastnacht auch das oben erwähnte Kampfgeschehen an: Die Menschen
wollten mit Verkleidung und gräßlichen Masken die Winterdämonen austreiben, damit
der milde Frühling Einzug halten kann. Statt eines Umzugs wurde dieses Geschehen aber auch in
Spielen versinnbildlicht.
Heutige Rituale müssen also auf jeden Fall im Freien stattfinden. Am besten wandert man an
diesem Tag durch die Natur und hält ein Ritual an einem schönen, ruhigen Platz ab, in dem
man auf die Fruchtbarkeitsgöttinnen und den Kampf zwischen Winter und Sommer eingeht.