Asentr.eu © V. Wagner 1994-2008 | 02.07.2007

Schnitterfest

Leinernte, Hagelfest, Freyr-Blot
Termin: 2. Vollmond nach Mittsommer

Uruz Thurisaz Ansuz

Als Freyrsfest wird diese Feier bezeichnet, weil Freyr ein besonders wichtiger, vanischer Fruchtbarkeitsgott ist. Das ist der Dankaspekt des Festes, der dem Bittaspekt untergeordnet ist. Von daher spreche ich hier nicht vom "Freyr-Blot", sondern von einem Fest zu Ehren Thors. Das hat damit zu tun, daß dieser Gott angerufen und gebeten wird, die Ernte nicht durch Hagel und Unwetter zu zerstören bzw. die Ernte vor den riesischen Untaten zu schützen. Dem Thor wurden zu dieser Zeit wohl Böcke geopfert. Vermutlich zog man auch in einer Art Prozession durch die Felder. Die Uruz-Rune und Thurisaz stehen für die Aspekte von Thor: Schützer und Zerstörer. Mann kann (sollte) auch Uruz für Thor und Thurisaz für die Riesen setzen.
Ein weiterer Gott, dem zu diesem Zeitpunkt Ehrung zuteil wurde, ist Odin / Wotan. Zu ihm gehört die Ansuz-Rune. Aber: Odin und Freyr sind bei diesem Vollmondfest dem Thor nachrangig.

Es ist die heißeste Zeit des Jahres. Wenn man mitten im Wald steht, hört man kaum einen Ton - fast so wie mitten im Winter. Das Getreide steht jetzt hoch und nach dem Fest beginnt die Ernte. An diesen heißen Tagen brauen sich oft Gewitter zusammen und diese können die Ernte in Minuten zerstören. All das Korn, das seit dem Frühjahr wächst, kann in kurzer Zeit durch die Naturgewalten vernichtet werden.
Wichtig ist, daß dieses Fest eine "Vorerntefeier" darstellt. Es ist kein Erntedankfest (s. Herbstfest).

Die erste geschnittene Garbe der Getreideernte verwahrt man als Glücksamulett auf (und hängt sie beispielsweise über eine Tür). Von diesem ersten geschnittenen Getreide kann man auch im Blot opfern. Die letzte Garbe hingegen wird für Odins Pferd Sleipnir stehengelassen.
Aus dem Getreide der letzten Fuhre macht man eine Kornmuhme (Getreidepuppe in Menschenform), die mit dem Getreide (als Schutz) im Getreidespeicher aufbewahrt wird. Den Wagen dieser letzten Fuhre schmückt man und fährt in einer feierlichen Prozession zum Hof (Erntemaien).
Man schneidet etwas Getreide und backt daraus Brot für das Fest.

"Schritt - fahr Schritt durch die Sommernacht,
laß das Rößlein säumen.
Fahr den Sandweg - sacht - ganz sacht!
Gönne dem Sommer das Träumen.

Träumen will er und schläfrig sein.
Sieh, wie die Ähren sich neigen,
fallen tief in den Weg hinein.-
Liebster - auch wir wollen schweigen.

Steigen Neben vom Ellerbruch
über die Felder in Streifen.
Liebster - spürst du den Brotgeruch?
Still - unser Roggen will reifen. -"
   [E. von Olfers-Batocki, ’Unser Roggen’]

"Mein Herz steht bis zum Hals in gelbem Erntelicht
wie unter Sommerhimmeln schnittbereites Land.
Bald läutet durch die Ebenen Sichelsang:
mein Blut lauscht tief mit Glück gesättigt
in den Mittagsbrand.
Kornkammern meines Lebens, lang verödet,
alle eure Tore sollen nun wie Schleusenflügel offen stehn,
Über euern Grund wird wie Meer
die goldne Flut der Garben gehn."
   [Ernst Stadter, Der Aufbruch]

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