Leinernte, Hagelfest, Freyr-Blot
Termin: 2. Vollmond nach Mittsommer
Als Freyrsfest wird diese Feier bezeichnet, weil Freyr ein besonders
wichtiger, vanischer Fruchtbarkeitsgott
ist. Das ist der Dankaspekt des Festes, der dem Bittaspekt untergeordnet ist. Von daher spreche
ich hier nicht vom "Freyr-Blot", sondern von einem Fest zu Ehren Thor-Donars.
Das hat damit zu tun, daß dieser Gott angerufen und gebeten wird, die Ernte nicht durch Hagel und Unwetter zu zerstören bzw.
die Ernte vor den riesischen Untaten zu schützen. Dem Thor wurden zu dieser Zeit
wohl Böcke geopfert. Vermutlich zog man auch in einer Art Prozession durch die
Felder. Die Uruz-Rune und Thurisaz stehen für die Aspekte von Thor: Schützer und
Zerstörer, v.a. aber verbindet man Uruz mit Thor und mit Thurisaz die Riesen.
Ein weiterer Gott, dem zu diesem Zeitpunkt Ehrung zuteil wurde, ist Odin
/ Wotan. Zu ihm gehört die Ansuz-Rune. Aber: Odin und
Freyr sind bei diesem Vollmondfest dem Thor nachrangig.
Es ist die heißeste Zeit des Jahres. Wenn man mitten im Wald steht, hört man
kaum einen Ton - fast so wie mitten im Winter. Das Getreide steht jetzt hoch und
nach dem Fest beginnt die Ernte. An diesen heißen Tagen brauen sich oft Gewitter
zusammen und diese können die Ernte in Minuten zerstören. All das Korn, das seit
dem Frühjahr wächst, kann in kurzer Zeit durch die Naturgewalten vernichtet werden.
Wichtig ist, daß dieses Fest eine "Vorerntefeier" darstellt. Es ist kein
Erntedankfest (s. Herbstfest).
Die erste geschnittene Garbe der Getreideernte verwahrt man als Glücksamulett
auf (und hängt sie beispielsweise über eine Tür). Von diesem ersten geschnittenen Getreide
kann man auch im Blot opfern.
Die letzte Garbe hingegen wird für Odins Pferd Sleipnir stehengelassen.
Aus dem Getreide der letzten Fuhre macht man eine Kornmuhme (Getreidepuppe in Menschenform), die mit dem Getreide
(als Schutz) im Getreidespeicher aufbewahrt wird. Den Wagen dieser letzten Fuhre schmückt man und
fährt in einer feierlichen Prozession zum Hof (Erntemaien).
"Schritt - fahr Schritt durch die Sommernacht,
laß das Rößlein säumen.
Fahr den Sandweg - sacht - ganz sacht!
Gönne dem Sommer das Träumen.
Träumen will er und schläfrig sein.
Sieh, wie die Ähren sich neigen,
fallen tief in den Weg hinein.-
Liebster - auch wir wollen schweigen.
Steigen Nebel vom Ellerbruch
über die Felder in Streifen.
Liebster - spürst du den Brotgeruch?
Still - unser Roggen will reifen. -"
[E. von Olfers-Batocki, 'Unser Roggen']
Golden streift der Sommer meine Heimat,
brotwarm schwillt das hohe reife Korn,
wie in meiner goldnen Kinderzeit;
habe Dank, geliebte Erde!
Schwalben rufen mich hinauf ins Blaue,
weiße Wolken türmen Glanz auf Glanz,
wie in meiner blauen Jünglingszeit;
habe Dank, geliebte Sonne!
[R. Dehmel, Hochsommerlied]