Sommersonnenwende (Johanni)
21./22. Brachet
Die Sommersonnenwende, der längste Tag des Jahres, für manche germanische Heiden auch der Höhepunkt des germanischen Jahres. Für andere, so auch für mich, ist dies das Julfest. Die Dagaz-Rune symbolisiert sehr schön den flüchtigen Charakter des Festes: Die Sonnenwende ist eine Übergangszeit, genauso wie die Dämmerung, die die Nacht vom Tag trennt. Sie ist auch eine Schwelle nach deren Überschreitung die Tage kürzer werden - es geht wieder auf das Winterhalbjahr zu. Die drei Runen umreißen das Geschehen: Dagaz steht für die Sonnenwende selbst, Übergangszeit. Das Land (Othala) steht in Blüte / Reife und ist fruchtbar (Fehu). Fehu steht aber auch für eine Polarisation zwischen Werden und Vergehen, auch hier das Symbol des Übergangs.
Das Wachstum ist an seinem Höhepunkt angekommen, es herrscht Fülle und Reife. Man spürt aber schon eine Art Stagnation und obwohl es sehr warm ist, ahnt man, daß diese Zeit sich nun gewendet hat. Nach der Sonnenwende beginnt die Heuernte.
Das Fest ist zu Ehren Sunnas / Sol, der personifizierten Sonne. Das ist zunächst einmal
der Hauptaspekt.
Daneben gibt es jedoch auch Vertreter der Alten Sitte, die andere Aspekte betonen:
die einen feiern ein göttliches Paar, entweder Odin -
Frigg oder Balder - Nanna, das die
Fruchtbarkeit der Jahrezeit verkörpert. Andere gedenken zur Sommersonnenwende
Balders Tod: Der Gott wird ja von seinem blinden Bruder Höd erschossen.
Die Verknüpfung ist diese: So wie der strahlende Gott Balder in der Blüte seines Lebens sterben muß,
so muß die Sonne an ihrem höchsten Stand "sterben" und es geht auf den Winter zu.
Diese Menschen feiern dann meist auch an Jul die Wiedergeburt
der Sonne in dem Sinne, daß Balder "wiedergeboren" wird. Die Edda schildert ja,
daß er nach den Ragnarök aus Hel zurückkomme.
I. Norden lehnt diese Deutung als
völlig ungermanisch und nicht aus den Quellen herleitbar ab.
Problematisch ist die Verknüpfung Balders mit Mittsommer und Jul deswegen, weil es in
der nordischen Mythologie keinen Sonnengott gibt - die Sonne ist weiblich. Allenfalls kann man
von einem "Himmelsvater" sprechen, einem Gott
Tyr / Tiwaz, der diese Rolle innehat.
Auch die Verbindung mit den Ragnarök ist nicht unproblematisch: Der Untergang
der Götter ist eine komplette Zerstörung der Welt durch die Kräfte von Eis und Feuer. Dieses Szenario
wird in der Edda als einmalig geschildert und erst danach kommt Balder aus Hel zurück. Diesen Untergang
mit dem Jahreslauf, hier speziell dem Herbst, zu verbinden, ist schon etwas weit hergeholt.
Ich selbst habe auch so meine Probleme mit der Verknüpfung Mittsommer - Balders Tod.
Viel Mittsommerbrauchtum hat mit Feuer zu tun. So werden auf Hügeln Sonnwendfeuer
angezündet, die man auch "Veitsfeuer" (oder Johannifeuer)
nennt. Daß ausgelassen um diese
Feuer getanzt wurde und daß man sich an den Händen haltend hindurch sprang,
darauf weist der Begriff "einen Veitstanz aufführen" hin.
Man kann auch Feuerräder die Hügel hinabrollen oder Fackelumzüge veranstalten.
Das Springen durchs Feuer gilt als Reinigungsritual. Mit einem skandinavischen Terminus
nennt man diese Feuer "Baldurs-balar", Balders Todesfeuer.
Es gab wohl auch den Brauch, den Maibaum (s. Wonnenacht)
im Sommersonnwendfeuer zu verbrennen. Ebenso kann man alte Gewohnheiten ablegen, indem
man sie auf Zetteln oder Hölzchen notiert und diese im Feuer verbrennt. Das ist jedoch eine
Handlung, die in den Bereich der Magie fällt.
Nach Strobel werden zum Fest Holunderkuchen gebacken.
Schön sind alle diese feuerbezogenen Bräuche besonders in den Abendstunden, wenn die
Feuer weithin leuchten können. Man kann auch eine Nachtwanderung zu einem Feuerplatz machen.
"’Sonnenwende - Johanni Geburtstag’. Obwohl
dessen legendäre Enthauptung eigentlich erst auf den 29.8. angesetzt
war, erzwang urgläubiges Kalenderbrauchtum seine Todesfeier zur
Sonnwendzeit. Da sein Vorbild, der weiße Baldur, zu dieser
Jahresfrist starb, mußte die neugläubige Austauschfigur ebenso den
Tod erleiden. Deshalb heißt das aus Johanniskraut gewonnene, mittels
Öl herausgekochte rote Substrat ’Johannisblut’ und die blutroten
in dieser Zeit heranreifenden Beeren ’Johannisbeeren’. Hier liegen
unabweisbar direkte Übertragungen vor (Baldersblut), die das Volk
gemeinsam mit dem niederen Klerus durchsetzte, denn Johannes
vermochte als frischgeborener Windelmatz wohl kein einziges
Blutströpfchen zu versprühen."
Heß
Crimson summer sky, sundown has come,
trees cloaked in shadows. What would I find beyond?
As I’m watching, thinking, waiting for the night to fall,
could I only turn the time, could I stop this moment.
Grey summer sky, the trees swing softly.
Come summer rain and kiss my skin,
tears in my eyes mingle with the raindrops,
warm winds blow my face dry. Yet, still I cannot see.
From the woods I hear my name, passions of summer-time.
I follow the whisper enthralled by the magic.
Tell me secrets the life-blood of nature
but underneath the green moss their traces disappeared.
Oh, what I see, what I feel, oh, could it be a memory?
Or is it mere fantasy? Hide away the pain,
when no words could ever explain.
Midsummer night bewitched by the light
at solstice fires the wheel burns bright.
Join the dance, celebrate the peak of life,
Cast away the reality that the fall has begun.
Summer will pass but the sun shall return.
Summer nights will be but how many more to see?
While I’m watching, breathing, taken by the summer air,
the vision may still be, the moment’s gone forever.
From the woods ...
© Hagalaz Runedance: Solstice Past