disablot, vetrnætr, VintrnatsBlot, Eisennächte, Einherjer Tag (Allerheiligen)
Termin: 2. Vollmond nach dem Herbstfest. In der
Gesellschaft sind der 31. Gilbhard ("Halloween") und der 1. Neblung
("Allerheiligen") verankert.
Dies ist im germanischen Jahr der Winterbeginn. Oft werden die Winternächte
als zweites Disting im Jahr bezeichnet.
Das weist darauf hin, daß sie eher dem Stammesrahmen als dem unmittelbaren Sippenbereich
zuzuordnen sind. Auch die Ahnenverehrung, die einen großen Teil der Winternächte ausmacht,
ist sippenübergreifend zu sehen - im Gegensatz zum Julfest, das in
seiner Privatheit eher mit den Ahnen der Sippe in Verbindung gebracht wird.
Im Gegensatz zu dieser Auslegung versinnbildlicht die Wunjo-Rune gerade das Glück
der Sippe, was aber kein unüberwindbarer Widerspruch sein dürfte.
Othala würde eher passen. Hel hat ganz klar die Beziehung
zum Totenreich, hier der Totenehrung. Nauthiz steht auch für die Not des Winters.
Den Begriff ’Eisennächte’ für dieses Fest las ich im Bronzezeitmuseum in
Tanum, Schweden.
Das Fest auf den 31. Gilbhard zu legen, folgt neuheidnischer Sitte. Es gibt aber auch Hinweise
darauf, daß es Mitte des Monats gefeiert wurde. Der 14. Gilbhard wird in Skandinavien
als Första Vinterdag bezeichnet (s. 14. Ostaramond = Första Somarsdag)
und auch die erwähnten Eisennächte sollen an diesem Datum stattgefunden haben.
Als Kompromiß könnte man das Fest auf den zweiten Vollmond nach dem Herbst-Äquinoktium
legen.
Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Landschaft wirkt
braun und öde. Im Gegensatz dazu steht der rot-gelb erstrahlende Wald an letzten schönen
Sonnentagen. Die Nächte sind dafür schon empfindlich kalt, je nach Lage friert es
nachts. Mit der ’dahinsterbenden Natur’ werden auch die Gedanken der Menschen auf ihre Toten gelenkt.
Der Winterbeginn zeigt die Vergänglichkeit und führt sie schmerzhaft vor Augen. Das Fest
wird von Odin / Wotan
beherrscht, dessen Totengott-Funktion hier im Vordergrund steht; die Winternächte werden
auch als Totenfest bezeichnet. Aber auch
Tyr / Tiu hat seinen Platz, vor allem dann, wenn
gefallener Soldaten gedacht wird. Die weiblichen Ahnen haben vermutlich das Bild der
Disen geformt, denen auch geopfert wird.
Die Zeit des ausklingenden Jahres war auch traditionell die Jagd- und Schlachtzeit. Vieh, das
nicht über den Winter gebracht werden konnte / sollte, wurde geschlachtet, das Fleisch
konnte man für das Julfest gut gebrauchen. Auch das "Julöl", das
spezielle Julbier wurde / wird nun gebraut.
Dem öffentlichen Charakter des Festes gemäß wählt man einen größeren
Platz für das Blot. Ein Teil des Rituals macht die Ahnenverehrung
aus. Den Disen opfert man (und läßt die Gaben über Nacht stehen), den
männlichen Ahnen (speziell den Gefallenen) kann man
traditionsgemäß einen Kranz niederlegen. Man sollte auch zum Gedenken Lichter aufstellen,
die man die ganze Nacht (oder, wenn man mehrere Tage feiert, die ganze Zeit über) brennen
läßt.
Den weiteren Teil des Rituals macht die Bitte an Thor / Freyr aus, die Sippe(n) gut durch den
Winter zu führen. Das war natürlich früher wesentlich wichtiger, da der harte Winter auch
Todesfälle bedeutete (Nauthiz-Rune).
Ein Brauch dieser Zeit ist auch das Gänseessen. Die Gans wird zwar heute als "Martinsgans"
bezeichnet, aber in Martin ist Wotan zu sehen (Reiter, Umhang, Heiler),
so daß man auch von der Odinsgans sprechen kann. Der christliche "Martinstag" ist
also unser Fest der Winternächte. Der Reiter, der der Kinderschar vorausreitet, ist als Sinnbild
der Wilden Jagd zu sehen (s. Seite über Wotan).
Nach dem Essen können Sumbel
zu Ehren der Ahnen abgehalten werden. Während des Essens sollte ein Platz für kürzlich
Verstorbene leer bleiben, obwohl man deckt und auch Essen aufträgt.
Entsprechend dem "Martinsumzug" kann man einen Fackelumzug machen, der auch an den Gräbern
vorbeiführt, wo man Gaben hinterlegt.
Kurzer Hinweis zum Hexenkult: Winternächte ist das der Walpurgisnacht (Wonnenacht)
entgegengesetzte Fest und vielleicht das wichtigste im Hexenkult.
"Ich bin nicht ich, bin mehr, als alle wähnen
bin meiner Väter, meiner Ahnen Blut,
ich habe ihre Liebe, ihre Wut
in mir, ihr Werk und Wesen und ihr Sehnen;
Hab ihre Mühen in mir, ihre Tränen
und ihre Lust, ihr Lachen, ihren Mut,
hab ihr Versagen in mir, ihre Glut:
ich bin nur das, was einstmals war in jenen
Das bin ich. Weder weniger noch mehr.
Unschätzbar Gut ward so mir mitgegeben.
Wie ichs verwalte, das allein ist mein:
Gott schütz mich, dessen nicht mehr wert zu sein!
Und helfe mir in meinem kurzen Leben,
daß ichs verwalte nach Gebühr und Ehr."
[Otto Freiherr von Taube]