Asentr.eu - Minibanner © V. Wagner 1994-2012 | 24.10.2005

Winternächte

disablot, vetrnætr, VintrnatsBlot, Eisennächte, Einherjer Tag (Allerheiligen)
Termin: 2. Vollmond nach dem Herbstfest. In der Gesellschaft sind der 31. Gilbhard ("Halloween") und der 1. Neblung ("Allerheiligen") verankert.

Wunjo Hagalaz Nauthiz

Dies ist im germanischen Jahr der Winterbeginn. Oft werden die Winternächte als zweites Disting im Jahr bezeichnet. Das weist darauf hin, daß sie eher dem Stammesrahmen als dem unmittelbaren Sippenbereich zuzuordnen sind. Auch die Ahnenverehrung, die einen großen Teil der Winternächte ausmacht, ist sippenübergreifend zu sehen - im Gegensatz zum Julfest, das in seiner Privatheit eher mit den Ahnen der Sippe in Verbindung gebracht wird. Im Gegensatz zu dieser Auslegung versinnbildlicht die Wunjo-Rune gerade das Glück der Sippe, was aber kein unüberwindbarer Widerspruch sein dürfte. Othala würde eher passen. Hel hat ganz klar die Beziehung zum Totenreich, hier der Totenehrung. Nauthiz steht auch für die Not des Winters.
Den Begriff 'Eisennächte' für dieses Fest las ich im Bronzezeitmuseum in Tanum, Schweden.
Das Fest auf den 31. Gilbhard zu legen, folgt neuheidnischer Sitte. Es gibt aber auch Hinweise darauf, daß es Mitte des Monats gefeiert wurde. Der 14. Gilbhard wird in Skandinavien als Första Vinterdag bezeichnet (s. 14. Ostaramond = Första Somarsdag) und auch die erwähnten Eisennächte sollen an diesem Datum stattgefunden haben. Als Kompromiß könnte man das Fest auf den zweiten Vollmond nach dem Herbst-Äquinoktium legen.

Winter im Erzgebirge

Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Landschaft wirkt braun und öde. Im Gegensatz dazu steht der rot-gelb erstrahlende Wald an letzten schönen Sonnentagen. Die Nächte sind dafür schon empfindlich kalt, je nach Lage friert es nachts. Mit der 'dahinsterbenden Natur' werden auch die Gedanken der Menschen auf ihre Toten gelenkt. Der Winterbeginn zeigt die Vergänglichkeit und führt sie schmerzhaft vor Augen. Das Fest wird von Odin / Wotan beherrscht, dessen Totengott-Funktion hier im Vordergrund steht; die Winternächte werden auch als Totenfest bezeichnet. Aber auch Tyr / Tiu hat seinen Platz, vor allem dann, wenn gefallener Soldaten gedacht wird. Die weiblichen Ahnen haben vermutlich das Bild der Disen geformt, denen auch geopfert wird.
Die Zeit des ausklingenden Jahres war auch traditionell die Jagd- und Schlachtzeit. Vieh, das nicht über den Winter gebracht werden konnte / sollte, wurde geschlachtet, das Fleisch konnte man für das Julfest gut gebrauchen. Auch das "Julöl", das spezielle Julbier wurde / wird nun gebraut.

Dem öffentlichen Charakter des Festes gemäß wählt man einen größeren Platz für das Blot. Ein Teil des Rituals macht die Ahnenverehrung aus. Den Disen opfert man (und läßt die Gaben über Nacht stehen), den männlichen Ahnen (speziell den Gefallenen) kann man traditionsgemäß einen Kranz niederlegen. Man sollte auch zum Gedenken Lichter aufstellen, die man die ganze Nacht (oder, wenn man mehrere Tage feiert, die ganze Zeit über) brennen läßt.
Den weiteren Teil des Rituals macht die Bitte an Thor / Freyr aus, die Sippe(n) gut durch den Winter zu führen. Das war natürlich früher wesentlich wichtiger, da der harte Winter auch Todesfälle bedeutete (Nauthiz-Rune).
Ein Brauch dieser Zeit ist auch das Gänseessen. Die Gans wird zwar heute als "Martinsgans" bezeichnet, aber in Martin ist Wotan zu sehen (Reiter, Umhang, Heiler), so daß man auch von der Odinsgans sprechen kann. Der christliche "Martinstag" ist also unser Fest der Winternächte. Der Reiter, der der Kinderschar vorausreitet, ist als Sinnbild der Wilden Jagd zu sehen (s. Seite über Wotan).
Nach dem Essen können Sumbel zu Ehren der Ahnen abgehalten werden. Während des Essens sollte ein Platz für kürzlich Verstorbene leer bleiben, obwohl man deckt und auch Essen aufträgt.
Entsprechend dem "Martinsumzug" kann man einen Fackelumzug machen, der auch an den Gräbern vorbeiführt, wo man Gaben hinterlegt.
Kurzer Hinweis zum Hexenkult: Winternächte ist das der Walpurgisnacht (Wonnenacht) entgegengesetzte Fest und vielleicht das wichtigste im Hexenkult.

Binderune V. Wagner
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