Wonnetag / Walpurgisnacht / Maiabend / Maifest / Hohe Maien / sigrblot
Termin: 2. Vollmond nach Ostara; in der Gesellschaft sind jedoch
30. Ostaramond und 1. Wonnemond verankert.
Die Walpurgisnacht ist ein bekanntes "Hexenfest".
Im Zusammenhang mit der Alten Sitte spreche ich meist nur vom
Maiabend (Wonnemondabend), da Walpurga eine christliche Heilige ist.
Sie war die Tochter des englischen Königs Richard, geb. 710 u.Z. Walpurga folgte dem
missionierenden Bonifatius, wurde 779 Äbtissin des Klosters Heidenheim.
Man kann den Namen aber auch zu Waluburg (germanische Seherin) abändern, obwohl das Symbol der Seherin
eher zu den Festen der dunklen Jahreszeit paßt.
Mit dem ersten Tag im Wonnemond beginnt der Sommer im germanischen Jahr. Grimm
weist darauf hin, daß sich viele Sprüche und Lieder mit dem Thema ’Der Maien ist gekommen’ befassen.
Die Runen
passen hervorragend zum Fest: Laguz = Intuition, Wasser (Reinigung), Gedeihen; Ingwaz = Fruchtbarkeit
Freyrs, und natürlich Mannaz, die Menschen - ein Fest für die Menschen. Man kann
auch Mannaz als Mann und Laguz als Frau deuten, wobei Ingwaz dann die Vereinigung beider ist,
da die "heilige Hochzeit" (hieros gamos) Thema dieses Festes ist.
Dieses ist das Fest der voll erblühten Natur, der Fruchtbarkeit und Entfaltung,
ein Sommerfest, das skandinavische SígrBlot. Zilpzalpe und Mönchsgrasmücken
singen, in meiner Heimat kommen fast immer pünktlich
zum Beginn des Wonnemonds die Mauersegler zurück. Fruchtbarkeit ist überall sichtbar,
eine heilige, freudvolle Zeit.
Das göttliche Paar Freyr -
Freya wird heute geehrt. Dies ist ein
wahres Freudenfest, da die Umzüge des Ostarafestes
offenbar die Fruchtbarkeit der Natur
unterstützt haben. Heute feiert man die mystische Einheit mit dem Land.
So wie in der Natur sind natürlich auch in den Menschen die "Frühjahrsgefühle"
erwacht. Freyr und Freya werden also auch durch ein sehr einfaches ’Fruchtbarkeitsritual’ geehrt - Sex.
In früheren Zeiten gab es wohl in der Wonnenacht recht ausschweifende Aktivitäten in
den Feldern und Wäldern. Das wurde dann in späterer Zeit etwas der christlichen Moralvorstellung
angepaßt. Eine archaische magische Vorstellung ist die, daß der menschliche Sex den
Feldern zu Fruchtbarkeit verhelfen soll.
Mit diesem Fest wird auch ein kultisches Bad verbunden,
das von Männern und Frauen gemeinsam z.B. in einem See genommen wird.
Als Platz zum Feiern kann man auch einen See oder eine Quelle wählen.
Aber auch die eher geistige Liebe kommt nicht zu kurz. Wir kennen heute noch den Brauch des
"Maibäumchen-Setzens", bei dem ein junger Mann seiner Angebeteten einen Maibaum
vors Fenster stellt. Man kann das auch dahingehend abwandeln, daß man sich gegenseitig
"Liebesgeschenke" macht, die hier meiner Meinung nach viel besser passen als zum medial
aufgebauschten "Valentinstag".
In vielen Orten sind heute noch Maibäume üblich, die in der Regel von jungen Burschen
aus dem Wald in den Ort geholt und aufgestellt werden. Es wird dann um diese Bäume getanzt. Der Baum aus dem
Wald ist das Symbol der Fruchtbarkeit der Natur, die in die menschliche Gemeinschaft getragen wird
("dem Ort den Mai bringen"). Er symbolisiert weiterhin den Baum des Lebens.
Meist wird auch ein "Maipaar" gewählt, ein
junger Mann und eine junge Frau, die die menschliche Entsprechung zu Freyr und Freya sind. Vielleicht
ist dies ein Relikt früherer Feiern, in denen ein priesterliches Paar eine zentrale Rolle einnahm. Diese
zelebrierten dann vermutlich auch die "Heilige Hochzeit".
Bäume und Büsche werden mit bunten Bändern geschmückt. Auf
Hügeln wurden Freudenfeuer ("Maifeuer") angezündet,
auch hier steht das Feuer für eine Sonnensymbolik.
Eventuell wurde zu diesem Fest ein Stier geopfert, der noch in der Vorstellung vom "Pfingstochsen"
weiterlebt.
Für mich ist dies mein persönliches Runenfest. Mehr dazu auf der Seite über Runensätze.