Asentr.eu © V. Wagner 1994-2008 | 7.5.2008

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Seit 1994 geistere ich durch alle möglichen Internetforen zum Thema. Die Diskussionen drehen sich sehr oft um die immer gleichen Themen und Fragen. Deshalb möchte ich auf dieser Seite die FAQ ("frequently asked questions") vorstellen und aus meiner persönlichen Sicht beantworten. Diese Sicht ist das, was auf meinen Seiten als "Alte Sitte" vertreten wird; sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Zugehörigkeit zur Alten Sitte - Kultus - Mythus

Zugehörigkeit zur Alten Sitte

  1. Ich bin erst 15, kann ich zur Alten Sitte gehören?
    Natürlich, denn mit 14 ist man religionsmündig und kann selbst über seine Religion entscheiden. Siehe auch die Seite zum Kirchenaustritt.
  2. Ich bin schwul / lesbisch, kann ich zur Alten Sitte gehören?
    Wenn wir davon ausgehen, daß Homosexualität eine Spielart der Natur - und damit natürlich - ist, dann haben Homosexuelle genauso ihren Platz in dieser Religion wie Heterosexuelle. Oft ist die Frage eng mit der Bedeutung der Ahnen (und damit auch eigener Kinder) verbunden. Deshalb gilt hier - wie für Kinderlose -: Wer keine eigenen Kinder hat, der kann sich in seiner Familie / Sippe einbringen, kann mithelfen, die Kinder von Geschwistern, Nichten / Neffen usw. zu betreuen. Das ist ein hoher Einsatz für die Sippe und voll im Einklang mit der Alten Sitte, denn wichtig ist: traditionell gesehen zählt die Familie / Sippe mehr als das Individuum.
  3. Meine Eltern waren Verbrecher, ich will keine Kinder - wie ist das mit der "Ahnenreligion" und dem Weiterleben in den eigenen Kindern?
    Im Prinzip gilt hier das unter Homosexualität über eigene Kinder Gesagte. Bei schlimmen Erfahrungen in der Kindheit kann es sehr schwer sein, die eigenen Eltern anzuerkennen. Letztlich zählt aber doch, daß man ihnen die eigene Existenz verdankt. Man muß sie daher nicht lieben oder achten, jedoch würde man ohne sie nicht sein. Von daher kann ich in solchen Situationen nur auf die 9 Tugenden verweisen und den Rat geben, alles - auch mit eigenen Kindern - dranzusetzen, damit dein Leben und das deiner Familie einmal besser ist als das, was du in der Kindheit erlebt hast. Der Satz "du sollst es mal besser haben als ich" ist - in all seinen konservativen Konnotationen - dennoch ein typischer Satz im Sinne der Alten Sitte.
  4. Ich bin schwarz / komme aus Nepal usw. - nehmt ihr mich in eure Gruppe auf?
    Die Zugehörigkeit zur Alten Sitte, besser: zu einer Kultgemeinschaft der Alten Sitte, ist nicht an die Hautfarbe gebunden. Sie ist gebunden an die Zugehörigkeit zu einer Kultgemeinschaft, die eine Heilsgemeinschaft darstellt. Jeder, der bereit ist, die germanischen Götter kultisch zu ehren und im Opfer für das Heil seiner Gemeinschaft einzutreten, der ist Teil der Alten Sitte.
  5. Ich stehe politisch rechts, kann ich auch Asatru sein?
    Das hängt davon ab, wo "politisch rechts" ist. Solange jemand auf dem Boden des Grundgesetzes und der Demokratie in diesem Land (D) steht, kann er politisch denken, was er will, - und natürlich auch der Alten Sitte angehören. Wer hingegen in der Form rechtsextrem oder gar neonazistisch ist, daß er sich eine Diktatur à la Adolf wünscht, der kann in meinem Verständnis nicht zur Alten Sitte gehören, weil sich eine solche Staatsform und der Freiheits- und Thinggedanke der Germanen gegenseitig ausschließen. Auch die Götter sehen wir in unseren Mythen in Ratsversammlungen sitzen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich ernsthaft an diese Götter wenden kann, wenn man die Freiheiten der Menschen durch eine repressive Staatsform extrem beschneiden will.
  6. Und wie stehts mit den Linksextremisten?
    Ja, danke, eine heidnische Antifa haben wir auch schon. Generell ist die Alte Sitte eine Religion der Mitte, fest verwurzelt im Leben der "normalen" Menschen, basierend auf Thingdemokratie und Werten wie Ehre und gegenseitiger Achtung. Extremisten jeder Couleur passen da tendenziell nicht.
  7. Ich bin folkish Asatru - geil, wa?
    Nein, nicht wirklich. Die Unterscheidung in "universalist Asatru" (jeder Mensch auf der Welt kann sich ganz frei und unabhängig von seiner Herkunft Asatru nennen) und "folkish Asatru" (völkisches Asatru, d.h. nur der mit "germanischen Wurzeln" kann Asatru werden) ist im Laufe der 1990er Jahre aus den USA in die deutschsprachige Szene übergeschwappt und totdiskutiert worden. Heute vermeiden die meisten Gruppen und Individuen den Bezug auf diese Unterscheidung. Zunächst einmal ist die Diskussion eine höchst theoretische, denn es interessieren sich kaum Menschen aus anderen Kulturen für Asatru bzw. die Alte Sitte, es scheint also, daß die germanischen Götter doch eher ihre "eigenen" Leute rufen. Dann wiederum ist es so, daß die Zugehörigkeit zur Alten Sitte nicht an Herkunft oder Hautfarbe gebunden ist, wie oben bereits beschrieben. Natürlich gibt es Menschen, die die Alte Sitte gerade deshalb als ihre eigene Religion ansehen, weil sie eben in der Tradition einer Ahnenreihe stehen, die v.a. Bezug zu ehemals von Germanen bewohnten Gebieten hat. Das ist schön, das darf man gerne auch pflegen, aber man sollte tunlichst vermeiden, das auch als "folkish Asatru" zu bezeichnen.
  8. Wie wird man "Asatru" oder Angehöriger der Alten Sitte?
    Vorab: Es gibt keine ordinierten Priester, keine Initiationen usw. Von daher "wird" man zunächst und ganz schlicht dadurch ein Angehöriger der modernen germanischen Religion, daß man für sich und ernsthaft die Frage klärt: kann und will ich an die Götter glauben, kann und will ich ihnen Treue schwören? Als ich diese Frage für mich mit Ja beantworten konnte, habe ich einen privaten Eid an die Götter geleistet, den ich 2006 im Rahmen des Schwurmanneneids meines Vereins (Verein für Germanisches Heidentum e.V.) erneuert habe. Aber: die Alte Sitte ist im Prinzip keine Religion von Individuen, sondern eine Religion von Kultgemeinschaften. Von daher sollte man frühzeitig Kontakt zu Gruppen suchen. Mein Verein baut auf das Konzept regionaler Gruppen, die als "Herde" bezeichnet werden.
  9. Ich will Gode werden! Wie geht das?
    Du steigst dazu in eine Zeitmaschine und reist zurück ins wikingerzeitliche Island. Da ergatterst du dir einen Hof, schaust zu, daß deine Macht und dein Einfluß steigen, damit du zum "Bezirkshäuptling" wirst, wie Simek es ausdrückt. Du gehörst dann zur politischen Führungsschicht Islands. Gut, zurück in unsere Zeit. Der Wunsch mancher Leute, sich "Gode" nennen zu dürfen, ist ganz eng mit verschiedenen esoterischen Angeboten verknüpft, die ebenfalls versprechen, daß man "Meister" oder "Eingeweihter" wird. Diese Leute sollten ihr Ego mal einen Gang runterschalten. Historisch belegt ist, daß bei privaten Anlässen der Familienvater ein Ritual leitete, für größere Feiern gab es "Priester", am ehesten in der Bedeutung von Kultleiter. Ich vertrete die Auffassung, daß jeder ein einfaches Ritual leiten können sollte. In heutigen Gruppen bildet es sich häufig heraus, daß bestimmte Leute, die einfach gute Rituale abhalten können, sozusagen per Gruppenbeschluß zu "Blotleuten" werden. Das ist aber kein Titel, sondern eine Funktion.
  10. Mein Partner ist Christ / Muslim / Satanist ... gibt das Probleme?
    Auch diese Frage wird immer wieder diskutiert. Man muß sie vor dem Hintergrund der Aussagen der jeweiligen anderen Religion sehen. Bei Christen ist es ja z.B. so, daß sie einen Missionierungsauftrag haben, daß sie nicht mit Heiden am "Götzenopfer" teilnehmen dürfen. So kann auch eine christliche Eheschließung für Heiden kein Thema sein, denn der Heide erkennt ja nicht das Ehesakrament an, von einer Taufe der eigenen Kinder ganz zu schweigen. Bleibt umgekehrt der christliche Partner vom Opfer weg, dann verletzt er seine Pflicht, das gemeinsame Heil der Familie / Sippe zu mehren. Bei Muslimen ist das noch extremer, da sind wir Heiden ja nur Harbis, d.h. Ungläubige, die bekämpft werden müssen. Ich halte prinzipiell nicht viel von solchen Beziehungen, aber besonders schwierig wird es, wenn gemeinsame Kinder dazukommen. Der christliche Partner will dann eine Taufe, der heidnische will das verhindern. Zusammenfassen kann man das so: In einer solchen Beziehung muß immer mindestens einer grundlegende Werte seiner eigenen Religion mit den Füßen treten, um den Kompromiß zu finden. Da muß jeder selbst entscheiden, ob er sich in einer so primären Sache wie der eigenen Religion so extrem verbiegen möchte.
  11. Ich sah neulich langhaarige, lärmende Jungs, die lauten Metal hörten und 'Heil, Odin!' riefen. Ist das Teil der Alten Sitte?
    Die Alte Sitte spricht alle Generationen an. Durch das unterschiedliche Alter setzen die Leute verschiedene Präferenzen. Es ist zu beobachten, daß jüngere (v.a. männliche) Personen eher vom martialischen und kriegerischen Aspekt dieser Religion angezogen werden. Steht man hingegen mit Leuten aus der "Mitte des Lebens" im Ritualkreis, wird man feststellen, daß da eher Wohlergehen der Familie usw. im Vordergrund stehen - man ist ruhiger geworden. 'Metal' ist nicht Teil der Alten Sitte, genauso wenig wie Haar- oder Bekleidungsvorschriften - das sind Äußerlichkeiten. Die Alte Sitte ist noch immer im Kern das gemeinsame Opfern mindestens zu den 4 Hauptjahreskreisfesten.

Kultus 

  1. Muß ich diese Kleidung von Mittelaltermärkten anziehen, um an Ritualen teilnehmen zu können?
    Das Thema "Kleidung beim Ritual" ist umstritten. Tatsache ist, daß viele Leute über die sogenannte Re-Enactment-Szene zur Alten Sitte kommen; da liegt es halt auch nahe, Rituale in Gewandung zu begehen. Ich finde das nicht unproblematisch, weil damit im Auge des außenstehenden Betrachters u.U. der Eindruck entstehen kann, daß es sich bei der Alten Sitte um eine Art Rollenspiel handelt. Von daher habe ich jahrelang so etwas gänzlich abgelehnt und immer "Rituale in Jeans" propagiert. Dann setzte ein allmähliches Umdenken ein, da ich erkannte, daß festliche Gewänder schon immer zu bestimmten feierlichen Anlässen dazugehörten. Auch der christliche Priester zieht sich ein Meßgewand über. Sinn dieser besonderen Kleidung ist es, die Feier auch optisch aus dem Alltag herauszuheben, was ja an sich etwas schönes ist. Über diese "Gedankenschiene" kam ich dazu, nun auch eine Tunika über der normalen Kleidung während Ritualen zu tragen. Das ist aber noch immer inhaltlich ein "work in progress", d.h. ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob ich das in Zukunft weiterhin so machen werde. Generell kann man sagen, daß man unabhängig von der Kleidung externen Personen klarstellen sollte, daß es sich um eine ernsthafte Religionsausübung handelt.
  2. Wie feiere ich Mittsommer / Jul ...?
    Zunächst einmal sollte man sich darüber orientieren, welcher Art das Fest im Rahmen der Alten Sitte ist. Dann bereitet man ein Ritual vor, das man sich z.B. aus Bausteinen zusammensetzen kann. Ich habe es immer vermieden, spezielle "Julrituale" oder "Ostararituale" zu entwerfen: mir ging es immer darum, ein Grundgerüst zu haben, das ich je nach Anlaß füllen kann. So ein Grundgerüst findet sich auch hier auf meinen Seiten. Hat man das Ritual geplant, kann man es zur Sicherheit auch ausdrucken. Auch Ablesen vom Blatt ist keine Schande, Hauptsache, der Kern eines Rituals ist vorhanden: die Anrufung der Götter und die Opfergabe.
  3. Gibt es historisch überlieferte Rituale?
    Nein, zumindest nicht im Sinne kompletter Ritualabläufe. Mancher mag fragen, woher denn die Ritualbausteine kommen, die von neuheidnischen Gruppen favorisiert werden. Für deutsche Verhältnisse kann ich das recht genau umreißen: als ich 1993/94 in US-amerikanischen Mailinglisten auftauchte und mir die dortigen Webseiten ansah, fand ich im Prinzip den Blot-Ablauf vor, der auch heute für deutsche Heiden üblich ist. Vielleicht kann man sagen, daß er auch z.T. durch meine, deutschsprachige Adaption zu einer Art Allgemeingut der deutschen Heidenszene wurde. Denn es gab - rein rational - wenig an dem auszusetzen, was ich fand: Platzweihe, Anrufung, Opferung, Runengesang - selbst bei neutraler Betrachtung kommt man schnell auf diese grundlegenden Bausteine.
  4. Was / wieviel sollte ich opfern?
    Ich habe hier eine Einführungsseite zu diesem Thema geschrieben. Heute werden in der Regel Nahrungsmittel (fest / flüssig) geopfert, aber es spricht nichts dagegen, andere persönliche Dinge zu opfern, z.B. eine Schnitzerei, ein Werk aus Ton usw. Die Menge muß man selbst bestimmen, sie sollte v.a. nicht zu groß sein, aber auch nicht zu karg. Man bekommt dafür mit der Zeit ein Gefühl.
  5. Wie war das mit den Tieropfern?
    Tieropfer waren zentraler Teil der historischen, germanischen Religion. Heute steht dem einiges entgegen: die Verfügbarkeit von Fleisch im Handel, der Mangel an Tieren aus eigener Haltung, das Fehlen eines versierten Schlachters, das allgemeine Empfinden bzgl. solcher Praktiken usw. Siehe dazu auch diesen Abschnitt. Festzuhalten bleibt: Da wir heute unseren Reichtum nicht mehr am Viehbestand messen, das Vieh also nicht mehr den gleichen Wert hat wie früher, können wir andere Dinge opfern, die unserem Alltag näherliegen.
  6. Ich rufe bei Ritualen die Elemente an, arbeite mit Kraftsteinen, fokussiere die Chakren und mache dem Surt geweihtes Feuerlaufen? Ist das OK im Rahmen der Alten Sitte?
    Es ist zunächst einmal eine private Praxis, mehr nicht. Dann muß man schauen, ob sich in den Quellen Belege für solche Dinge finden lassen, was ich jetzt der Einfachheit halber mal ausschließen möchte. Von daher ist das Einbringen solcher Dinge im Rahmen der Alten Sitte immer eine moderne Hinzufügung, die auch so deklariert werden muß. Wenn man umgekehrt aber sagt, die Arbeit mit Kraftsteinen (als Beispiel) sei zentrales Element der Alten Sitte, dann liegt man mehr als falsch. Also: Privat kann man tun oder lassen, was man will. Wenn man aber - gerade vor Zuschauern - ein Ritual hält, das man als "typisches Ritual der Alten Sitte" bezeichnet, dann sollte man sich an Vorgaben (Beispiel) halten, die von einem Großteil der Asatrugemeinschaft mitgetragen werden.
  7. Welche Runenbücher sollte ich kaufen?
    Dazu habe ich hier etwas geschrieben. Generell: Mit einem Fachbüchlein wie dem von Düwel oder Krause beginnen.
  8. Mein neu gekauftes Runenset hat aber 25 Runen!
    Schmeiß die Rune ohne Zeichen samt dem Begleitbuch in den Müll und besorge dir bessere Literatur.

Mythus 

  1. Wie hieß gleich noch die Große Göttin bei Asatru / der Alten Sitte?
    Die gibt es nicht. Die Alte Sitte ist eine polytheistische Religion mit etlichen namhaften oder auch namenlosen Göttinnen und Göttern. Das dualistische Konzept, auf das die Frage anspielt, gehört nicht zur Alten Sitte.
  2. Was ist mit Ragnarök? War das schon oder kommt das noch? Leben unsere Götter eigentlich noch?
    Das wird sehr kontrovers diskutiert. Die Götter haben die Welten wie auch uns Menschen erschaffen. Sie sind - nicht zuletzt durch den Austausch von Opfergaben - Garanten für unser Wohlergehen. Wenn sie untergehen, dann ist das das Ende aller Welten, allen Lebens. Ich empfinde das als eine Katastrophe, die man nur - in moderner Sprache - mit dem Untergang eines Planeten oder gar Sonnensystems gleichsetzen kann. Die Ereignisse, die die Völuspa schildert, sind ultimative, alle Realität verändernde. Von daher bin ich der Auffassung, daß die Ragnarök-Visionen den Untergang der bekannten Welten beschreiben, aber da wir noch immer in der gleichen Welt wie unsere germanischen Vorfahren leben, ist Ragnarök ein Bild für eine ferne Zukunft (s. auch diese Unterseite). Im übrigen muß auch die Frage gestellt werden, ob die Ragnarök-Vorstellung als gemeingermanische im Norden wie im Süden und durch die Jahrhunderte hindurch gesehen werden darf. Und man darf eine ganz menschliche Sichtweise nicht vernachlässigen, wie de Vries schreibt: "Wer aus der Völuspá Zeugnisse für die eschatologischen Gedanken der Nordgermanen gewinnen will, muß der Persönlichkeit des Verfassers seine volle Aufmerksamkeit widmen. Denn sie enthält nicht das heidnische Bild des Weltuntergangs, sondern die Vision eines hochbegabten Dichters über die letzten Dinge."
  3. Welche Edda soll ich kaufen?
    Dazu habe ich hier schon etwas geschrieben. Ich rate gerade dem Anfänger zu den Übertragungen von Krause und Häny.
  4. Fährt Donar / Thor heute noch immer mit einem Ziegen-bespannten Wagen herum oder düst er mit einem Moped durch die Welten?
    Man muß sich zunächst einmal klarmachen, daß Ersteres ein mythologisches Bild aus einer ganz bestimmten Zeitepoche ist. Damals fuhr man mit Wagen oder ritt - etwas anderes hätten die Dichter dieser Lieder nicht erfinden können. Dann muß man sich der archetypischen Inhalte solcher Bilder gewahrwerden: Warum fährt Donar, warum hat er kein Pferd? Warum sind es Ziegenböcke, die den Wagen ziehen? Diese mythischen Bilder enthalten letztlich die Beschreibung des Gottes Donar. Wenn man dann zu dem Schluß kommt, daß ein "moderner Donar" am ehesten mit einem Quad durch die Gegend brausen würde, dann ist das grundsätzlich stimmig, aber mit großer Vorsicht zu benutzen. Der moderne Heide steht hier in einem Zwiespalt: auf der einen Seite verehrt er die alten Götter der Germanen, die ihm z.B. aus den Eddaliedern bekannt sind, auf der anderen Seite lebt er in einer modernen Welt, in der das Gewehr den Bogen ersetzt hat und selbst Messerchen mit einer Klingenlänge von mehr als 12cm nicht mehr öffentlich geführt werden dürfen (dts. Waffenrecht ab 1.4.08, es gibt Ausnahmen). Hier ist sicher einer der Bezüge zum Thema Re-Enactment zu sehen. Zwar gibt es literarische Versuche, die die Götter in heutiger Zeit auftauchen lassen (s. z.B. Gaiman), aber meine Erfahrung ist, daß die Götter in Ritualen noch immer mit ihren bekannten, alten Eigenschaften angerufen werden. Diese sind sozusagen "bewährt", man kann schwerer einen Fehler machen.
  5. Auf einer schamanischen Reise sah ich Freya mit Peitsche und schwarzen Lackstiefeln. Sie verkörpert doch den Domina-Aspekt, oder?
    Eine schamanische Reise ist zunächst einmal etwas sehr persönliches, und man kann die dort erhaltenen Eindrücke nicht einfach so generalisieren. Ganz problematisch wird es, wenn man Götter plötzlich mit Attributen aus solch persönlicher Erfahrung belegt und das verallgemeinert bzw. Allgemeingültigkeit beansprucht. Auch hier muß man wieder klar zwischen der privaten Praxis und der Alten Sitte unterscheiden: was "geht", kann man am besten im Austausch mit anderen (persönlich / Foren) erarbeiten. Schamanistisch / magische Praktiken werden von manchen Anhängern der Alten Sitte betrieben, sie machen jedoch nicht den Kern der Religion aus - es geht immer noch um religiöses vs. magisches Weltbild. Ich habe im übrigen während einer Pfadarbeit auch mal ein Krokodil getroffen, das sich als Angrboda (also die Riesin, die Mutter Hels, Jörmungands und Fenris ist) vorstellte. Nirgendwo auf diesen Seiten fließt das in die Darstellung der Alten Sitte mit ein. Es ist ein durchaus passendes Bild, aber es ist privater Natur.
Binderune V. Wagner
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