FAQ - Häufig gestellte Fragen
Seit 1994 geistere ich durch alle möglichen Internetforen zum Thema. Die Diskussionen drehen sich sehr oft um die
immer gleichen Themen und Fragen. Deshalb möchte ich auf dieser Seite die FAQ ("frequently asked questions") vorstellen und aus meiner
persönlichen Sicht beantworten. Diese Sicht ist das,
was auf meinen Seiten als "Alte Sitte" vertreten wird; sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Zugehörigkeit zur Alten Sitte
- Ich bin erst 15, kann ich zur Alten Sitte gehören?
Natürlich, denn mit 14 ist man religionsmündig und kann selbst über seine Religion entscheiden. Siehe auch
die Seite zum Kirchenaustritt.
- Ich bin schwul / lesbisch, kann ich zur Alten Sitte gehören?
Wenn wir davon ausgehen, daß Homosexualität eine Spielart der Natur - und damit natürlich - ist, dann haben Homosexuelle
genauso ihren Platz in dieser Religion wie Heterosexuelle. Oft ist die Frage eng mit der Bedeutung der Ahnen (und damit auch eigener Kinder)
verbunden. Deshalb gilt hier - wie für Kinderlose -: Wer keine eigenen Kinder hat, der kann sich in seiner Familie / Sippe einbringen, kann
mithelfen, die Kinder von Geschwistern, Nichten / Neffen usw. zu betreuen. Das ist ein hoher Einsatz für die Sippe und voll im
Einklang mit der Alten Sitte, denn wichtig ist: traditionell gesehen zählt die Familie / Sippe mehr als das Individuum.
- Meine Eltern waren Verbrecher, ich will keine Kinder - wie ist das mit der "Ahnenreligion" und dem Weiterleben in den eigenen Kindern?
Im Prinzip gilt hier das unter Homosexualität über eigene Kinder Gesagte. Bei schlimmen Erfahrungen in
der Kindheit kann es sehr schwer sein, die eigenen Eltern anzuerkennen. Letztlich zählt aber doch, daß man ihnen die eigene
Existenz verdankt. Man muß sie daher nicht lieben oder achten, jedoch würde man ohne sie nicht sein. Von daher kann ich in solchen
Situationen nur auf die 9 Tugenden
verweisen und den Rat geben, alles - auch mit eigenen Kindern - dranzusetzen, damit dein Leben und das
deiner Familie einmal besser ist als das, was du in der Kindheit erlebt hast. Der Satz "du sollst es mal besser haben als ich" ist
- in all seinen konservativen Konnotationen - dennoch ein typischer Satz im Sinne der Alten Sitte.
- Ich bin schwarz / komme aus Nepal usw. - nehmt ihr mich in eure Gruppe auf?
Die Zugehörigkeit zur Alten Sitte, besser: zu einer Kultgemeinschaft der Alten Sitte, ist nicht an die Hautfarbe gebunden. Sie ist
gebunden an die Zugehörigkeit zu einer Kultgemeinschaft, die eine Heilsgemeinschaft darstellt. Jeder, der bereit ist, die germanischen
Götter kultisch zu ehren und im Opfer für das Heil seiner Gemeinschaft einzutreten, der ist Teil der Alten Sitte.
- Ich stehe politisch rechts, kann ich auch Asatru sein?
Das hängt davon ab, wo "politisch rechts" ist. Solange jemand auf dem Boden des Grundgesetzes und der Demokratie in
diesem Land (D) steht, kann er politisch denken, was er will, - und natürlich auch der Alten Sitte angehören. Wer hingegen in
der Form rechtsextrem oder gar neonazistisch ist, daß er sich eine Diktatur à la Adolf wünscht, der kann in meinem
Verständnis nicht zur Alten Sitte gehören, weil sich eine solche Staatsform und der Freiheits- und Thinggedanke der
Germanen gegenseitig ausschließen. Auch die Götter sehen wir in unseren Mythen in Ratsversammlungen sitzen. Ich kann mir
nicht vorstellen, wie man sich ernsthaft an diese Götter wenden kann, wenn man die Freiheiten der Menschen durch eine repressive
Staatsform extrem beschneiden will.
- Und wie stehts mit den Linksextremisten?
Ja, danke, eine heidnische Antifa haben wir auch schon. Generell ist die Alte Sitte eine Religion der Mitte, fest verwurzelt im
Leben der "normalen" Menschen, basierend auf Thingdemokratie und Werten wie Ehre und gegenseitiger Achtung.
Extremisten jeder Couleur passen da tendenziell nicht.
- Ich bin folkish Asatru - geil, wa?
Nein, nicht wirklich. Die Unterscheidung in "universalist Asatru" (jeder Mensch auf der Welt kann sich ganz frei und
unabhängig von seiner Herkunft Asatru nennen) und "folkish Asatru" (völkisches Asatru, d.h. nur der mit
"germanischen Wurzeln" kann Asatru werden) ist im Laufe der 1990er Jahre aus den USA in die deutschsprachige Szene
übergeschwappt und totdiskutiert worden. Heute vermeiden die meisten Gruppen und Individuen den Bezug auf diese
Unterscheidung. Zunächst einmal ist die Diskussion eine höchst theoretische, denn es interessieren sich kaum Menschen
aus anderen Kulturen für Asatru bzw. die Alte Sitte, es scheint also, daß die germanischen Götter doch eher
ihre "eigenen" Leute rufen. Dann wiederum ist es so, daß die Zugehörigkeit zur Alten Sitte
nicht an Herkunft oder Hautfarbe gebunden ist, wie oben bereits beschrieben. Natürlich gibt es
Menschen, die die Alte Sitte gerade deshalb als ihre eigene Religion ansehen, weil sie eben in der Tradition einer Ahnenreihe stehen,
die v.a. Bezug zu ehemals von Germanen bewohnten Gebieten hat. Das ist schön, das darf man gerne auch pflegen, aber
man sollte tunlichst vermeiden, das auch als "folkish Asatru" zu bezeichnen.
- Wie wird man "Asatru" oder Angehöriger der Alten Sitte?
Vorab: Es gibt keine ordinierten Priester, keine Initiationen usw. Von daher "wird" man
zunächst und ganz schlicht dadurch ein Angehöriger der modernen germanischen Religion, daß man für sich und
ernsthaft die Frage klärt: kann und will ich an die Götter glauben, kann und will ich ihnen Treue schwören? Als ich
diese Frage für mich mit Ja beantworten konnte, habe ich einen privaten Eid an die Götter geleistet, den ich 2006
im Rahmen des Schwurmanneneids meines Vereins (Verein für Germanisches Heidentum e.V.)
erneuert habe. Aber: die Alte Sitte ist im Prinzip keine Religion von Individuen, sondern
eine Religion von Kultgemeinschaften. Von daher sollte man frühzeitig Kontakt zu Gruppen suchen. Mein Verein baut
auf das Konzept regionaler Gruppen, die als "Herde" bezeichnet werden.
- Ich will Gode werden! Wie geht das?
Du steigst dazu in eine Zeitmaschine und reist zurück ins wikingerzeitliche Island. Da ergatterst du dir einen Hof,
schaust zu, daß deine Macht und dein Einfluß steigen, damit du zum "Bezirkshäuptling" wirst,
wie Simek es ausdrückt. Du gehörst dann zur politischen Führungsschicht Islands. Gut, zurück in
unsere Zeit. Der Wunsch mancher Leute, sich "Gode" nennen zu dürfen, ist ganz eng mit verschiedenen
esoterischen Angeboten verknüpft, die ebenfalls versprechen, daß man "Meister" oder
"Eingeweihter" wird. Diese Leute sollten ihr Ego mal einen Gang runterschalten. Historisch belegt ist, daß bei
privaten Anlässen der Familienvater ein Ritual leitete, für größere Feiern gab es "Priester",
am ehesten in der Bedeutung von Kultleiter. Ich vertrete die Auffassung, daß jeder ein einfaches Ritual leiten können
sollte. In heutigen Gruppen bildet es sich häufig heraus, daß bestimmte Leute, die einfach gute Rituale abhalten
können, sozusagen per Gruppenbeschluß zu "Blotleuten" werden. Das ist aber kein Titel, sondern
eine Funktion.
- Mein Partner ist Christ / Muslim / Satanist ... gibt das Probleme?
Auch diese Frage wird immer wieder diskutiert. Man muß sie vor dem Hintergrund der Aussagen der jeweiligen anderen
Religion sehen. Bei Christen ist es ja z.B. so, daß sie einen Missionierungsauftrag haben, daß sie nicht mit Heiden
am "Götzenopfer" teilnehmen dürfen. So kann auch eine christliche Eheschließung für Heiden
kein Thema sein, denn der Heide erkennt ja nicht das Ehesakrament an, von einer Taufe der eigenen Kinder ganz zu schweigen.
Bleibt umgekehrt der christliche Partner vom Opfer weg, dann verletzt er seine Pflicht, das gemeinsame Heil der Familie / Sippe zu mehren.
Bei Muslimen ist das noch extremer, da sind wir Heiden ja nur Harbis, d.h. Ungläubige, die bekämpft werden müssen.
Ich halte prinzipiell nicht viel von solchen Beziehungen, aber besonders schwierig wird es, wenn gemeinsame Kinder dazukommen.
Der christliche Partner will dann eine Taufe, der heidnische will das verhindern. Zusammenfassen kann man das so: In einer solchen
Beziehung muß immer mindestens einer grundlegende Werte seiner eigenen Religion mit den Füßen treten, um den Kompromiß
zu finden. Da muß jeder selbst entscheiden, ob er sich in einer so primären Sache wie der eigenen Religion so
extrem verbiegen möchte.
- Ich sah neulich langhaarige, lärmende Jungs, die lauten Metal hörten und 'Heil, Odin!' riefen. Ist das Teil der Alten Sitte?
Die Alte Sitte spricht alle Generationen an. Durch das unterschiedliche Alter setzen die Leute verschiedene Präferenzen. Es ist
zu beobachten, daß jüngere (v.a. männliche) Personen eher vom martialischen und kriegerischen Aspekt dieser
Religion angezogen werden. Steht man hingegen mit Leuten aus der "Mitte des Lebens" im Ritualkreis, wird man
feststellen, daß da eher Wohlergehen der Familie usw. im Vordergrund stehen - man ist ruhiger geworden. 'Metal' ist nicht
Teil der Alten Sitte, genauso wenig wie Haar- oder Bekleidungsvorschriften - das sind Äußerlichkeiten. Die Alte Sitte ist
noch immer im Kern das gemeinsame Opfern mindestens zu den 4 Hauptjahreskreisfesten.
Kultus
- Muß ich diese Kleidung von Mittelaltermärkten anziehen, um an Ritualen teilnehmen zu können?
Das Thema "Kleidung beim Ritual" ist umstritten. Tatsache ist, daß viele Leute über die sogenannte
Re-Enactment-Szene zur Alten Sitte kommen; da liegt es halt auch nahe, Rituale in Gewandung zu begehen. Ich finde das
nicht unproblematisch, weil damit im Auge des außenstehenden Betrachters u.U. der Eindruck entstehen kann, daß
es sich bei der Alten Sitte um eine Art Rollenspiel handelt. Von daher habe ich jahrelang so etwas gänzlich abgelehnt und immer
"Rituale in Jeans" propagiert. Dann setzte ein allmähliches Umdenken ein, da ich erkannte, daß festliche
Gewänder schon immer zu bestimmten feierlichen Anlässen dazugehörten. Auch der christliche Priester zieht sich
ein Meßgewand über. Sinn dieser besonderen Kleidung ist es, die Feier auch optisch aus dem Alltag herauszuheben, was ja
an sich etwas schönes ist. Über diese "Gedankenschiene" kam ich dazu, nun auch eine Tunika über der
normalen Kleidung während Ritualen zu tragen. Das ist aber noch immer inhaltlich ein "work in progress", d.h. ich
bin mir nach wie vor nicht sicher, ob ich das in Zukunft weiterhin so machen werde. Generell kann man sagen, daß man
unabhängig von der Kleidung externen Personen klarstellen sollte, daß es sich um eine ernsthafte Religionsausübung
handelt.
- Wie feiere ich Mittsommer / Jul ...?
Zunächst einmal sollte man sich darüber orientieren, welcher Art das Fest
im Rahmen der Alten Sitte ist. Dann bereitet man ein Ritual vor, das man sich z.B. aus Bausteinen zusammensetzen kann.
Ich habe es immer vermieden, spezielle "Julrituale" oder "Ostararituale" zu entwerfen: mir ging es immer
darum, ein Grundgerüst zu haben, das ich je nach Anlaß füllen kann. So ein Grundgerüst findet sich
auch hier auf meinen Seiten. Hat man das Ritual geplant, kann man es zur Sicherheit auch ausdrucken.
Auch Ablesen vom Blatt ist keine Schande, Hauptsache, der Kern eines Rituals ist vorhanden: die Anrufung der Götter
und die Opfergabe.
- Gibt es historisch überlieferte Rituale?
Nein, zumindest nicht im Sinne kompletter Ritualabläufe. Mancher mag fragen, woher denn die Ritualbausteine kommen,
die von neuheidnischen Gruppen favorisiert werden. Für deutsche Verhältnisse kann ich das recht genau umreißen:
als ich 1993/94 in US-amerikanischen Mailinglisten auftauchte und mir die dortigen Webseiten ansah, fand ich im Prinzip den Blot-Ablauf vor,
der auch heute für deutsche Heiden üblich ist. Vielleicht kann man sagen, daß er auch z.T. durch meine, deutschsprachige
Adaption zu einer Art Allgemeingut der deutschen Heidenszene wurde. Denn es gab - rein rational - wenig an dem auszusetzen, was ich fand:
Platzweihe, Anrufung, Opferung, Runengesang - selbst bei neutraler Betrachtung kommt man schnell auf diese grundlegenden Bausteine.
- Was / wieviel sollte ich opfern?
Ich habe hier eine Einführungsseite zu diesem Thema geschrieben. Heute werden
in der Regel Nahrungsmittel (fest / flüssig) geopfert, aber es spricht nichts dagegen, andere persönliche Dinge zu
opfern, z.B. eine Schnitzerei, ein Werk aus Ton usw. Die Menge muß man selbst bestimmen, sie sollte v.a. nicht zu groß sein,
aber auch nicht zu karg. Man bekommt dafür mit der Zeit ein Gefühl.
- Wie war das mit den Tieropfern?
Tieropfer waren zentraler Teil der historischen, germanischen Religion. Heute steht dem einiges entgegen: die Verfügbarkeit von
Fleisch im Handel, der Mangel an Tieren aus eigener Haltung, das Fehlen eines versierten Schlachters, das allgemeine Empfinden
bzgl. solcher Praktiken usw. Siehe dazu auch diesen Abschnitt.
Festzuhalten bleibt: Da wir heute unseren Reichtum nicht mehr am
Viehbestand messen, das Vieh also nicht mehr den gleichen Wert hat wie früher, können wir andere Dinge opfern, die
unserem Alltag näherliegen.
- Ich rufe bei Ritualen die Elemente an, arbeite mit Kraftsteinen, fokussiere die Chakren und mache dem Surt geweihtes Feuerlaufen? Ist das
OK im Rahmen der Alten Sitte?
Es ist zunächst einmal eine private Praxis, mehr nicht. Dann muß man schauen, ob sich in den Quellen Belege für
solche Dinge finden lassen, was ich jetzt der Einfachheit halber mal ausschließen möchte. Von daher ist das Einbringen solcher Dinge
im Rahmen der Alten Sitte immer eine moderne Hinzufügung, die auch so deklariert werden muß. Wenn man umgekehrt aber
sagt, die Arbeit mit Kraftsteinen (als Beispiel) sei zentrales Element der Alten Sitte, dann liegt man mehr als falsch. Also: Privat kann
man tun oder lassen, was man will. Wenn man aber - gerade vor Zuschauern - ein Ritual hält, das man als "typisches Ritual der
Alten Sitte" bezeichnet, dann sollte man sich an Vorgaben (Beispiel) halten,
die von einem Großteil der Asatrugemeinschaft mitgetragen werden.
- Welche Runenbücher sollte ich kaufen?
Dazu habe ich hier etwas geschrieben. Generell: Mit einem Fachbüchlein wie
dem von Düwel oder Krause beginnen.
- Mein neu gekauftes Runenset hat aber 25 Runen!
Schmeiß die Rune ohne Zeichen samt dem Begleitbuch in den Müll und besorge dir bessere Literatur.
Mythus
- Wie hieß gleich noch die Große Göttin bei Asatru / der Alten Sitte?
Die gibt es nicht. Die Alte Sitte ist eine polytheistische Religion mit etlichen namhaften oder auch namenlosen Göttinnen und
Göttern. Das dualistische Konzept, auf das die Frage anspielt, gehört nicht zur Alten Sitte.
- Was ist mit Ragnarök? War das schon oder kommt das noch? Leben unsere Götter eigentlich noch?
Das wird sehr kontrovers diskutiert. Die Götter haben die Welten wie auch uns Menschen erschaffen. Sie sind - nicht zuletzt durch
den Austausch von Opfergaben - Garanten für unser Wohlergehen. Wenn sie untergehen, dann ist das das Ende aller Welten,
allen Lebens. Ich empfinde das als eine Katastrophe, die man nur - in moderner Sprache - mit dem Untergang eines Planeten oder gar
Sonnensystems gleichsetzen kann. Die Ereignisse, die die Völuspa schildert, sind ultimative, alle Realität verändernde.
Von daher bin ich der Auffassung, daß die Ragnarök-Visionen den Untergang der bekannten Welten beschreiben, aber da
wir noch immer in der gleichen Welt wie unsere germanischen Vorfahren leben, ist Ragnarök ein Bild für eine ferne
Zukunft (s. auch diese Unterseite). Im übrigen muß auch die Frage
gestellt werden, ob die Ragnarök-Vorstellung als gemeingermanische im Norden wie im Süden und durch die
Jahrhunderte hindurch gesehen werden darf. Und man darf eine ganz menschliche Sichtweise nicht vernachlässigen,
wie de Vries schreibt:
"Wer aus der Völuspá Zeugnisse für die eschatologischen Gedanken der Nordgermanen
gewinnen will, muß der Persönlichkeit des Verfassers seine volle Aufmerksamkeit widmen. Denn sie enthält nicht
das heidnische Bild des Weltuntergangs, sondern die Vision eines hochbegabten Dichters über die letzten Dinge."
- Welche Edda soll ich kaufen?
Dazu habe ich hier schon etwas geschrieben. Ich rate gerade dem Anfänger zu
den Übertragungen von Krause und Häny.
- Fährt Donar / Thor heute noch immer mit einem Ziegen-bespannten Wagen herum oder düst er mit einem Moped durch die Welten?
Man muß sich zunächst einmal klarmachen, daß Ersteres ein mythologisches Bild aus einer ganz bestimmten Zeitepoche ist.
Damals fuhr man mit Wagen oder ritt - etwas anderes hätten die Dichter dieser Lieder nicht erfinden können. Dann muß man
sich der archetypischen Inhalte solcher Bilder gewahrwerden: Warum fährt Donar, warum hat er kein Pferd? Warum sind es Ziegenböcke,
die den Wagen ziehen? Diese mythischen Bilder enthalten letztlich die Beschreibung des Gottes Donar. Wenn man dann zu dem Schluß kommt,
daß ein "moderner Donar" am ehesten mit einem Quad durch die Gegend brausen würde, dann ist das grundsätzlich
stimmig, aber mit großer Vorsicht zu benutzen. Der moderne Heide steht hier in einem Zwiespalt: auf der einen Seite verehrt er
die alten Götter der Germanen, die ihm z.B. aus den Eddaliedern bekannt sind, auf der anderen Seite lebt er in einer modernen Welt,
in der das Gewehr den Bogen ersetzt hat und selbst Messerchen mit einer Klingenlänge von mehr als 12cm nicht mehr öffentlich
geführt werden dürfen (dts. Waffenrecht ab 1.4.08, es gibt Ausnahmen). Hier ist sicher einer der Bezüge zum Thema
Re-Enactment zu sehen. Zwar gibt es literarische Versuche, die die Götter in heutiger Zeit auftauchen
lassen (s. z.B. Gaiman), aber meine Erfahrung ist, daß die Götter in
Ritualen noch immer mit ihren bekannten, alten Eigenschaften angerufen werden. Diese sind sozusagen "bewährt", man kann
schwerer einen Fehler machen.
- Auf einer schamanischen Reise sah ich Freya mit Peitsche und schwarzen Lackstiefeln. Sie verkörpert doch den Domina-Aspekt, oder?
Eine schamanische Reise ist zunächst einmal etwas sehr persönliches, und man kann die dort erhaltenen Eindrücke nicht
einfach so generalisieren. Ganz problematisch wird es, wenn man Götter plötzlich mit Attributen aus solch persönlicher
Erfahrung belegt und das verallgemeinert bzw. Allgemeingültigkeit beansprucht. Auch hier muß man wieder klar zwischen der
privaten Praxis und der Alten Sitte unterscheiden: was "geht", kann man am besten im Austausch mit anderen (persönlich /
Foren) erarbeiten. Schamanistisch / magische Praktiken werden von manchen Anhängern der Alten Sitte betrieben, sie machen
jedoch nicht den Kern der Religion aus - es geht immer noch um religiöses vs. magisches Weltbild.
Ich habe im übrigen während einer Pfadarbeit auch mal ein Krokodil getroffen, das sich als Angrboda (also
die Riesin, die Mutter Hels, Jörmungands und Fenris ist) vorstellte. Nirgendwo auf diesen Seiten fließt das in die Darstellung
der Alten Sitte mit ein. Es ist ein durchaus passendes Bild, aber es ist privater Natur.
