"Im Schwerpunkt dieser Weltanschauung steht aber der Ewigkeitsgedanke, der
Unsterblichkeitsgedanke. Tag reiht sich an Tag, stets wird er neu geboren, erreicht seine Höhezeit
und stirbt, um einem neuen Raum zu geben. Auch das Jahr ersteht zur Wintersonnenwende, wächst
und ersteigt seine Hochzeit an der Sommersonnenwende, um in den Wintertod einzugehen, aus dem
doch ein neuer Frühling werden wird. Ja selbst ein Menschenleben ist nichts anderes als
ein solches Erwachen, Wachsen, Blühen, Reifen und Sterben, indes das Blut in der Sippe
ewig weiterlebt."
Strobel
Im Zuge der "Wiccanisierung" der neuheidnischen Szene haben die meisten - auch germanischen - Heiden eine Jahresunterteilung nach 8 Festen übernommen, das sogenannte achtspeichige Jahresrad. Wichtig ist dabei jedoch, daß vermutlich zu keinem (historischen) Zeitpunkt und an keinem Ort tatsächlich alle diese 8 Feste in der hier vorgestellten Form gefeiert wurden. Natürlich sind etliche Feste historisch belegt, andere wiederum vielleicht nur als Brauchtum zu bezeichnen. Man muß sich also bei diesen 8 Festen darüber im klaren sein, daß sie in dieser fixen Form eine künstliche Jahreseinteilung sind.
Nach de Vries kannten die
Germanen grundsätzlich
3 Opferfeste, die er als "Säeopfer,
Ernteopfer und Dreschopfer" beschreibt, und die - und das ist wichtig - in engem Zusammenhang mit
Ding-Versammungen (Thing-Versammlungen) standen. Opferfest und säkulare Zusammenkunft waren
miteinander verknüpft. Der andere wichtige Punkt ist der, daß die Daten für die
Feste variierten, weil sie meist am Vollmond gefeiert wurden.
Man kann vermuten, daß hinter den 3 Festen eine Dreiteilung des Jahres stand. In
etwa hieße das: das Säeopfer entspräche dem Mittwinterfest (ca. Hornung (Monatsnamen)),
das Ernteopfer entspräche dem Mittsommerfest (ca. Brachet / Heuert) und das
Dreschopfer wäre dem Herbstfest (ca. Scheiding / Gilbhard) gleichzusetzen. Eine solche
Dreiteilung entspricht den klimatischen Verhältnissen in Nordskandinavien.
Die jahreszeitliche Einordnung der Feste war in verschiedenen skandinavischen Ländern unterschiedlich
und dazu kommt noch, daß Snorri von einem weiteren, vierten, Fest spricht, nämlich dem
Mittsommerfest.
Aus den vorhandenen Daten kann man ersehen, daß es im Winterhalbjahr eine Ballung von Festen gab.
Das ist weder verwunderlich noch sonderbar, denn zum einen findet sich solches auch bei anderen Völkern und
zum anderen entspringt dies dem natürlichen Jahreslauf, der ja im Sommerhalbjahr von viel (Feld-)Arbeit
geprägt ist.
Manche Heiden beschränken sich auf diese 4 Feste,
die auch im Rahmen der 8 die wichtigeren sind:
die beiden Sonnenwenden (Julfest (21./22.12.) und
Mittsommer (21./22.6.)) sowie die Tag-und-Nacht-Gleichen
(Ostara (20./21.3.) und das
Herbstfest (22./23.9.)).
Der Yggdrasil-Kreis bezeichnet diese 4 Feste als "Sonnenfeste", die germanischer Herkunft seien. Die restlichen 4 Feste
werden dort als (keltische) Mondfeste gesehen:
Imbolc (Disting),
Beltane (Wonnenacht),
Lughnasad (Schnitterfest),
Samhain (Winternächte).
Wonnenacht ist meine eigene Ableitung vom "Wonnemond".
Die Sonnenfeste werden nach dem Kalender bestimmt, während die Mondfeste
nach Vollmonden bestimmt werden, die den Sonnenfesten folgen. Näheres dazu auf
der jeweiligen Festseite. Zur Bestimmung in frühester Zeit habe ich etwas
auf der Kalenderseite geschrieben.
Man kann wohl davon ausgehen, daß zumindest die wichtigen Feste an mehreren
Tagen gefeiert wurden, vielleicht an 3 Tagen bis zu einer Woche (Ausnahme:
Julfest = 12 Nächte).
Die Zuordnung der Runen zu den Festen folgt Freya Aswynn, Heß ordnet genau entgegengesetzt zu, bei ihm ist Jera die Rune des Mittsommers. Wieder andere Autoren ordnen je eine Rune pro Ætt einem Fest zu (vgl. Fries).
Besonders schwierig - und durchgehend Thema der Festseiten - ist die Abgrenzung echter heidnischer Überbleibsel von reinen (nicht unbedingt religiösen) Volksbräuchen, die auch nichts mit dem Heidentum zu tun haben müssen. Generell sollte man als Vertreter der Alten Sitte meiner Meinung nach bemüht sein, sehr vorsichtig diese Bräuche in die Wiederbelebung der germanischen Religion einzubauen. Natürlich kann man einen schönen Brauch wie den Julleuchter verwenden, aber man sollte sich im klaren sein, daß es sich dabei nicht unbedingt um echte germanische Tradition handelt. Das Gleiche gilt für andere Bereiche (Heilige Mitte ...) W. Baetke schreibt dazu ganz deutlich in seiner bekannten Quellensammlung:
"Geringen Stellenwert lege ich ... dem volkskundlichen Material bei; ich bin mit Hans Naumann und
Jan de Vries der Ansicht, daß für die wirkliche germanische Religion sehr wenig aus ihm
zu erschließen ist. Die Sucht, in Frühlingsfeiern und Erntebräuchen altgermanische
Kulte zu suchen, verkennt das Wesen der Religion und ihrer Geschichte genau so wie die religiöse
Deutung von Sagen und Märchen. Auch der wilde Jäger mit seinem Heer ... hat in einem
religionsgeschichtlichen Quellenbuch ebenso wenig wie Rotkäppchen oder der beliebte
Maigraf zu suchen."
[Baetke]
Mit "Feier" und Angabe eines Zeitraums ist in der Regel ein Wochenende gemeint. Mit Klick auf die Namen der Feste gelangt man zur Unterseite mit ausführlicher Beschreibung des Festes. Man beachte dabei, daß die Seiten kein eigenes Beispielritual zum jeweiligen Fest bieten. Stattdessen soll auf das Grundritual verwiesen werden, das man dem Festanlaß anpaßt.
| Name | Art | Termin | 2009 | 2008 | Mondphase | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Disting | Mondfest | Vollmond, der dem 1. Neumond nach Jul (12 Nächte, 21.12-1.1.) folgt | 9.2.09 (Feier am Festtag) | (Feier am Festtag) |
|
|
| Ostara | Sonnenfest | Frühjahrsequinox | 20.3.09 (Feier 20.-22.3.09) | (Feier ...) | ||
| Wonnenacht | Mondfest | 2. Vollmond nach Ostara | 9.5.09 (Feier am Festtag) | 20.4.08 (Feier am Festtag) | ||
| Mittsommer | Sonnenfest | Sommersonnenwende | 21.6.09 (Feier 19.-21.6.09) | 21.6.08 (Feier 20. - 22.6.08) | ||
| Schnitterfest | Mondfest | 2. Vollmond nach Mittsommer | 6.8.09 (Feier am Festtag) | 16.8.08 | ||
| Herbstfest | Sonnenfest | Herbstequinox | 22.9.09 (Feier 25.-27.9.09) | 22.9.08 (Feier 26. - 28.9.08) | ||
| Winternächte | Mondfest | 2. Vollmond nach Herbstfest | 2.11.09 (Feier am Festtag) | 13.11.08 (Feier am Festtag) | ||
| Julfest | Sonnenfest | Wintersonnenwende | 21.12.09 (Feier 18.-20./21.12.09) | 21.12.08 (Feier 19. - 21.12.08 |