Germanische Gottheiten - Kurzvorstellung
"Das altgermanische Wort goth, das die Gesamtheit der göttlichen Wesen
bezeichnete und noch im späten Altnordisch ein sächliches Mehrzahlwort war (góð =
Götter), leitet sich von der indogermanischen Wurzel *guthom - anrufen -
ab. Die Götter sind also ’die Angerufenen’, d.h. ihre Wirklichkeit offenbart sich, vollständig
oder überhaupt erst, durch die Rituale, mit denen wir in Beziehung zu ihnen treten
und mit ihnen kommunizieren. Das ist klar, wenn die Götter der Geist der Natur
sind. Auch der Geist eines Menschen zeigt sich erst, wenn wir mit ihm in Beziehung
treten."
[VfGH]
Die Entsprechungen Gottheit - Wochentag finden sich auf einer
separaten Seite.
Eine stammbaumartige Übersicht findet sich hier.
Generell ist diese Übersicht nur als wirklich "grob"
zu verstehen, da ich vorausetze, daß jemand, der interessiert ist, sich entsprechende Literatur zulegt. Von daher will ich hier
auf Abschreiben von Götterattributslisten verzichten. :)
Männliche Gottheiten
Odin
- Oberster Gott der germanischen Mythologie, auch "Allvater" genannt. Aus dieser
Rolle verdrängte er wohl den ursprünglichen "Himmelsvater"
Tyr / Tiwaz
- Wechselhafter und launischer Gott mit "umherschweifendem Wesen" und
ganz verschiedenen Eigenschaften. Viel auf Wanderschaft - auch unter den Menschen, wo er dann meist
mit dunkelblauem Umhang, Schlapphut und grauem Bart ("Harbard") erscheint.
Um die 170 Namen sind für ihn überliefert. Er ist listig, gibt auch
mal unverdient Kriegsglück, stiftet zu Eidbruch an, so wird Odin im
Zweiten Lied von Helgi dem Hundingstöter als derjenige bezeichnet,
der "zwischen Verwandte die Streitrunen warf".
- Kriegsgott: "Walvater", Gott der Gefallen, der die Hälfte von ihnen erhält und in
Walhalla (Gladsheim), der Halle der getöteten Krieger (Einherjer), aufnimmt. Die andere Hälfte erhält
Freya. Diese Krieger bereiten sich in täglichen Kämpfen auf
die letzte Schlacht (Ragnarök) vor.
Odin brachte den ersten Krieg in die Welten: Er warf seinen Speer Gungnir ins vanische Heer und
eröffnete den Krieg gegen die andere Göttersippe.
Germanische Krieger eröffneten so auch
ihre Schlachten und riefen "Odin hat euch alle!". Für Kriegerbünde, Gefolgschaften,
Adelige wird Odin die Initiationsgottheit gewesen sein ("Speergott").
- Gott der Schöpfung: Laut Völuspa waren es Odin und seine Brüder Vili und Ve, die die ersten Menschen
erschufen.
- Gott von Weisheit und Wissen: In einem Dreischritt erhält Odin Weisheit. Zuerst opfert er
ein Auge für einen Schluck aus Mimirs Brunnen der Weisheit und erhält Seherkraft.
Dann raubt er in Schlangengestalt Gunnlöd den Dichtermet Odrörir, der
ektstatische Fähigkeiten gibt. Zuletzt hängt er sich im Selbstopfer
an den Weltenbaum Yggdrasill, um am Ende die Kenntnis der
Runen, der (magischen) Schriftzeichen der
Germanen, zu erlangen.
- Gott der Dichtkunst (Raub des Dichtermets) (neben Bragi)
- Gott der Ekstase: Oðr (woð), altnordisch ’Wut’, auch ’kultische Ekstase’, gab Odin seinen Namen. Er
wird mit schamanischen Techniken, verändertem Bewußtseinszustand und Gestaltwandlung
verbunden. Laut Ynglingasaga kann er sich in einen Adler oder eine Schlange verwandeln.
- Gott der Runen (Selbstopfer)
- Gott der Magie: Freya
lehrte ihn Seiðr.
- Gott der Toten und des Schicksals:
Odin ist der oft düster wirkende "Ahnengott", der auch Tote erwecken und befragen kann.
Als Gott, dem Menschenopfer dargebracht wurden, wird er auch Hanga-Tyr, Gott der Erhängten, genannt.
- Odin besitzt die beiden Wölfe Geri (Gierig) und Freki (Gefräßig), die beiden Raben Hugin (Gedanke)
und Munin (Erinnerung). Weiterhin reitet er das achtbeinige Pferd Sleipnir, das von
Loki abstammt.
- K. Gundarsson vertritt die Auffassung, daß andere
Gottheiten wie Lodur, Hoenir, Heimdall oder Loki
nur Aspekte Odins seien. Die Römer setzten ihn mit Merkur gleich.
- Stammesgott der Dänen, Franken, Angelsachsen (s. Woden / Wotan)
- Anrufungen (auch Wotan)
Wotan
Siehe eigene Seite /
Anrufungen
Thor / Donar
- Sohn Odins mit der Erde, Jörd, die auch
Fjörgyn oder Hlodyn (Hludana, Huldana) genannt wird. Er wohnt in Thrudheim im
Palast Bilskirnir - Odin rühmt sich, daß
"sein Junge" das größte Haus hat. Seine Frau ist Sif.
- Er ist der muskelbepackte Rotbart, der mit seinem Hammer Mjöllnir, den Eisenhandschuhen
und dem Kraftgürtel permanent gegen die Riesen kämpft und Götter und Menschen
schützt. Er besitzt ein einfaches, grundsätzlich gutmütiges Wesen.
- Als bleibende Verletzung seiner zahlreichen Kämpfe steckt in seinem Kopf ein Splitter vom
Wetzstein des Riesen Hrungnir. Das "Hrungnir-Herz" ist auch ein Thorssymbol.
- Thor fährt einen Streitwagen, der von den zwei Ziegenböcken
Tanngrísnir (Zähnefletscher) und Tanngnjóstr (Zähneknirscher)
gezogen wird. Wenn er damit über den Himmel rumpelt und Mjöllnir wirft, so
stellte man sich vor, erleben ihn die Menschen als Blitz und Donner (letzteres auch sein Name in deutscher Übersetzung).
- Aufgrund der mütterlichen Abstammung ist Thor auch bäuerlicher
Fruchtbarkeitsgott, der warmen Sommerregen spendet.
- Beliebtester Gott, Freund der Menschen, Beschützer von (männlichen) Kindern. Wohl eher von bäuerlichen
Kriegern als adeligen verehrt. Sein Hammer wurde einer Braut symbolisch in den Schoß gelegt, um der Ehe
Fruchtbarkeit zu sichern. Sein Begleiter ist ein Bauernjunge namens Thialfi.
Auch Loki ist oft mit von der Partie.
- Bekannteste Geschichten um ihn sind die Angelpartie mit dem Riesen Hymir, bei der Thor auf die Midgardschlange trifft, oder
auch die Rückholung des gestohlenen Hammers, bei der sich Thor als Frau verkleidet und von seiner "Magd" Loki
begleitet wird.
- Die Römer setzen ihn mit Hercules gleich.
- Thor wird auch bei Weihungen angerufen (Vingthor / Weor (im Hymir-Lied)).
- Der Thorshammer ist heute das Zeichen der rekonstruierten, germanischen Religion, der Alten Sitte.
- Stammesgott der Norweger und Isländer
- Anrufungen
Tyr / T(e)iwaz / Tiw, Tiu, Ziu / Er, Ero (Saxnot?, Irmin)
- Himmels-, Rechts- und Kriegsgott, dessen Name einfach "Gott" bedeutet.
- Als Himmelsgott indogermanischer Herkunft gleicht er dem griech. Zeus, röm. Jupiter (Diu-Piter), ind. Dyaus pitar.
Die Römer setzten ihn auch mit Mars gleich. Es wurde aufgrund dieser Namensparallelen vermutet, daß Tyr gegenüber
Odin der ursprüngliche Himmelsgott der Germanen war, der durch letzteren verdrängt wurde
(der "entthronte Gott" nach Derolez).
Vermutlich ist es jedoch eher so, daß es regional einen (oder mehrere) unterschiedlichen obersten Gott gab.
- In der Edda gilt er einmal als Sohn des Riesen
Hymir, dann als Sohn Odins. Tyrs Frau wird in der Lokasenna erwähnt, aber es
ist unklar, wer sie ist.
- Gott des Things, der Ratsversammlung ("Mars Thingsus" - auf einem Weihestein am Hadrianswall aus dem 3. Jhd. u.Z.),
und des Rechtes / der Gerechtigkeit. Er wurde auch bei Eiden angerufen. Man verbindet mit ihm ein scharfes Urteilsvermögen.
- Kriegsgott, der um Tapferkeit und gerechten Sieg angerufen wurde. Seine Rune,
Tiwaz, wurde auf Waffen geritzt. Mit dem Gott wird das Schwert assoziiert.
- Bekanntester Mythos: Er opferte seinen rechten Arm, um den den anderen Göttern zu ermöglichen,
den Fenriswolf zu fesseln. Deshalb verbindet man mit Tyr Mut, Opferbereitschaft, Sippentreue.
- Stammesgott der Alemannen, z.T. Bajuwaren (dort Er genannt)
- Beim Namen "Saxnot" ist unklar, ob damit eine Entsprechung Tyrs oder Freyrs gemeint ist.
Vermutlich macht es am meisten Sinn, in ihm einen eigenständigen Gott der Sachsen zu sehen.
Baldur / Balder
- Sohn von Odin und Frigg,
Mann der Nanna und Forsetis Vater. Baldhere =
kühner Herr (oder Herleitung von idg. *bhel- = weiß). Er lebt in Breidablik.
- Der "weiße Ase", ein heller, strahlender, ehrlicher, offener und reiner
Gott, über den aber in den nordischen Mythen nur sein Tod überliefert ist.
- Baldur träumt von seinem Tod (Baldurs Draumar) und wird dann von seinem blinden Bruder
Hödr, der von Loki
angestiftet wurde, mit einem Mistelzweig erschossen. Erst nach den Ragnarök kann er
wiederkehren aus Hel. Siehe dazu auch:
Warum mußte Hödur sterben?
- Saxo Grammaticus erzählt die Geschichte von Balder
etwas anders: Bei ihm sind Balder und Höd menschliche Helden. Höd ist nicht blind und nicht der Bruder Balders.
Höd erschlägt Balder mit einem Schwert im Streit um eine Frau. Weder Balder noch Höd kommen
später einmal aus der Unterwelt zurück.
- Mistel (als Heilpflanze) und Kamille (nordisch Baldrs Brá, Baldurs Braue) sind ihm geweiht.
- Baldur ist kein Sonnengott (die Sonne, Sunna, ist in der germanischen Mythologie weiblich), aber
er findet sich im Jahreskreis wieder:
Zur Sommersonnenwende erinnern wir uns an seinen Tod in
der "Blüte des Lebens". Dann folgt der Abstieg des Lichtes, das an
Jul wiedergeboren wird, wenn das Rad des
Jahres zu einem neuen Umlauf ansetzt.
- Mit Baldur assoziiert man den Schwan, Sonnenräder, Julleuchter.
- Anrufungen
Forseti
- Balders und Nannas Sohn, der Fosite der Friesen. Auf Helgoland
war eine heilige Quelle ihm geweiht. Forseti lebt in Glitnir (Glastheim).
- Ein Rechtsgott, sein Name bedeutet "der Vorsitzende" (von Versammlungen).
Er schlichtet Streit und man ruft ihn bei Eiden an.
Hödr
- Blinder Sohn von Odin und Frigg,
dessen Name "Kämpfer" bedeutet.
- Seine Blindheit läßt ihn Balder nicht erkennen,
als er mit einem Mistelzweig auf ihn schießt, wozu ihn Loki angstiftet hatte.
- Höd wird auch als Personifikation des Winters angesehen (der symbolisch dem Land die Farben
und das Licht raubt), wozu auch der Mistelzweig passend würde, den
man zu der Zeit auf den entlaubten Bäumen sehen kann.
- Text zum Thema: Warum mußte Hödr sterben?
Njörd
- Mit Nerthus (s. dort für weitere Infos) der Stammvater der
Vanen - evtl. muß an eine zwittrige Gottheit gedacht werden. Vater der Zwillinge
Freyr und
Freya. Skadi, die ihn anhand seiner
schönen Füße erwählte, ist seine Frau, aber nicht die Mutter von Freyr und Freya
(ersteres scheint ja so, da Skadi im Skirnirlied als Mutter Freyrs angesehen werden könnte).
Die beiden leben abwechselnd am Meer und in den Bergen, aber froh sind sie in ihrer Ehe nicht unbedingt.
- Njörd ist vanischer Fruchtbarkeitsgott, der reichste der Götter. Das Bild der
"schönen Füße" kann so gedeutet werden, daß alles grünt
und blüht, wo er hintritt. Der VfGH
nennt ihn den "zeugenden Partner" seiner Zwillingsgöttin Nerthus.
- Er ist Meeresgott, Herr des Meeres, und Schutzpatron von Seefahrern und Fischern und lebt in
Noatun. Sein "Gegenspieler" ist Ægir, der
Meeresriese, der eher für die Schrecken des Meeres (Untergang, Ertrinken) steht.
Freyr
Siehe eigene Seite /
Anrufungen
Heimdallr
Siehe eigene Seite /
Anrufungen
Bragi
- Der Gott der Dichtkunst und der Skalden, Mann der Idun.
- Laut Lokasenna ist Bragi kein Sohn Odins, sondern Ziehsohn.
Ullr
- Ein rein skandinavischer Gott, Sohn der Sif,
Stiefsohn von Thor, Freund Balders.
- Gott der Jagd und der Bogenschützen und Skiläufer sowie anderer
Winteraktivitäten. Wohnt im Eibental (Ydalir).
- Die Ortsnamensforschung belegt, daß Ullr im ostnorwegischen und schwedischen Raum eine viel größere
Rolle gespielt haben muß als z.B. Odin.
Loki
- Eigentlich ein Riese, der zum Blutsbruder Odins wurde.
- Loki ist eine schillernde Gestalt mit viel Impulsivität (Feuerbezug? Auch wenn sein Name nicht von
Logi - Feuer - hergeleitet wird) und Witz.
Als "Trickster" bringt er den Göttern Vorteile, solange sie ihn unter ihrer
Gewalt haben, und Nachteile, wenn er aus Eigeninteresse handelt. Er ist die (chaotische)
Kernfigur, die zum Untergang der Götter führt. Auf sein Betreiben hin tötet
der blinde Hödur seinen Bruder Baldur.
Die Asen fesseln Loki in einer Höhle, zu den
Ragnarök reißt er sich frei und führt die Feinde der Götter an.
Lokis ’Grenzüberschreitungen’ haben aber eher destruktive Tendenzen, während dies
bei Odin in Kreativität endet. Man kann das auch so
sehen, daß Odins destruktive Aspekte in einen anderen "Gott"
ausgelagert wurden. Es gab vermutlich nie einen Loki-Kult; Loki ist nicht das Gegenstück zum christlichen Teufel.
- Mit der Riesin Angrboda zeugte die drei Ungeheuer, die später die Götter
in den Ragnarök bekämpfen: Die Midgardschlange, den Wolf Fenrir und Hel, die
Totengöttin in Helheim. Lokis Frau ist Sigyn.
- Loki kann - wie Odin - seine Gestalt wandeln. Er kann
Freyas Falkengewand benutzen und läßt sich
als Stute läßt er sich von einem Hengst decken, woraus
Odins Sleipnir hervorgeht.
"Ist Loki der Gesellschaftsordnung eingefügt und arbeitet er mit ihr mit
(als Schwurbruder und Weggenosse Òðinns, Führer und Diener Þórrs,
als Spaßmacher mit dem Auftrag, Niorðrs Frau durch Lachen zu entwaffnen oder die auf
Freyia lastende Drohung zu beseitigen; als Ratgeber, Bote, Geschäftsträger, Faktotum
der Asen), so bringt er in diese Gesellschaftsordnung ein Element der Phantasie, des Lebens,
der Fruchtbarkeit, das nicht ohne Gefahr ist, doch im Allgemeinen unschädlich und auf
jeden Fall unersetzlich. Folgt er jedoch seinen eigenen Impulsen oder mischt sie in seine
öffentlichen Aufgaben hinein, so bringt er alles in Gefahr oder schafft Ärgernis,
schickt Þórr waffenlos zu dem Riesen Geirroðr, prügelt Þiazi,
entführt Iðunn, schneidet Sif die Haare ab, verdirbt den Hammer, spottet des
sexuellen Gesetzes und tötet schließlich Baldr."
[G. Dumézil, ’Loki’]
Ægir (Hler, Gymir)
- Meeresriese. Im Gegensatz zu Njörd steht er
für die rauhe See, den Tod auf See, Untergang und Ertrinken.
- Seine Frau ist Ran, mit der er neun Töchter hat, die Meereswellen. Von ihnen, so wird
angenommen, stammt Heimdall ab.
- Ægir ist speziell für seine Gastfreundschaft gegenüber den Göttern bekannt.
Weibliche Gottheiten
Frigg(a), Frija
- Odins Gattin, ahd. "Frija", die
im Zweiten Merseburger Zauberspruch mit ihren
Schwestern Volla (Fülle), Sunna (Sonne) und Sintgunt (Nachtwandlerin, Mond) genannt wird.
Süddeutsche Bezeichnungen sind Berchta / Perchta, wenn man denn eine Gleichsetzung machen
möchte. Die Saga im Grimnir-Lied ist
vermutlich Frigg, demnach wohnt sie in Sökkwabekk.
Gundarsson vertritt hier die Auffassung,
daß viele "Göttinnen" (genauere Auflistung z.b. in Paxson) Hypostasen von Frigg sind,
so z.B. Gefjon, Gna, Saga, Eir, Syn (obwohl Gefjon und Frigg ja in der Lokasenna gleichzeitig
auftreten). Frigg heißt "Frau" oder "Geliebte".
- Schützerin von Ehe (Treue, Eide), Familie / Sippe,
Haus und Hof. Wird bei Geburten angerufen.
- Mit Frauen im mittleren Alter verbunden; Hausherrin mit Attribut Spindel, Schlüsselbund.
- Frigg kennt das Schicksal aller Wesen, ist aber
verschwiegen und spricht mit niemandem darüber. Bei Beratungen der Götter
nimmt sie in führender Rolle teil. Als Attribut kann man den Seherinnenstab zuordnen.
Nerthus
Siehe eigene Seite /
Anrufungen
Freya
- Tochter Njörds und Schwester (Partnerin)
Freyrs. Die Vanadis = Wanengöttin, meistverehrte
Göttin in früherer Zeit, v.a. in Liebesdingen angerufen. "Frowe",
die Herrin / Edelfrau, die über Leben und Tod herrscht.
Als späterer Gatte wird Oðr erwähnt, der mit Odin
identisch sein könnte. Anläßlich seines Verlustes weint sie goldene Tränen.
- Göttin der Liebe, der weiblichen Sexualität und der eher jüngeren Frauen.
Das wie die Sonne strahlende Halsband Brinsingamen weist auf die
Beziehung zur himmlischen Sphäre der Asen hin.
- Kriegsgöttin, die die Hälfte der auf dem Schlachtfeld gefallenen Toten
erhält und in Folkwangr aufnimmt. Verbindung zu den
Walküren.
- Magierin, die Odin die Kunst des
Seiðr lehrt.
- Meiner Auffassung nach ist Freya keine typische Fruchtbarkeitsgöttin. Sie ist mit dem
Lust- statt dem Reproduktionsaspekt von Sexualität verbunden. Sie ist Magierin, auch Kriegerin
und Totengöttin. Am ehesten ist sie das weibliche Pendant zu Odin, was auch aus den Mythen
herausscheint.
- L. Motz (in Bragason) vergleicht Freya mit den
nah-östlichen Göttinnen Anatt / Astarte und Ishtar / Inana und zieht Verbindungen zur "Herrin der
Tiere" sowie mesopotamischen Prostitutionskulten. Motz glaubt, daß die Prostitution in der germanischen
Religion einmal einen Platz gehabt haben könnte.
- Freya fährt in einem von Katzen gezogenen Wagen. Die Katzen und ihr Beiname Syr (Sau) weisen
auch auf den Bezug zur Sexualität. Sie hat weiterhin ein Gewand aus Falkenfedern, das den Bezug zu
Seiðr und schamanischen Reisen bildet. Manchmal reitet sie den Kampfeber Hildisvin.
- Es wird spekuliert, inwieweit die in der Völuspa genannte Gullveig mit Freya identisch ist.
- Anrufungen
"From Church history we have learnt that the cult of the Great
Goddesses was transformed into worship of the Virgin Mary as mediator between human
beings and God. After the Christianization of the North, the Great Goddesses Frigg
and Freya were banned; but ... many of their qualities survived in
being attributed to the Virgin Mary. Frigg’s mourning for Baldr easily amalgamated with the
picture of the Mater Dolorosa, and the productive and reproductive factors were
soon assimilated, too."
Näsström
Tamfana
Siehe eigene Seite.
Ostara
- Vom VfGH übernehme ich hier
die Einordnung Ostaras als in der nordischen Überlieferung nicht genannte, vom Typ
her asische Gottheit. Dokumentiert
von Beda "Venerabilis" als
angelsächsische Eostre sowie im fränkischen Monatsnamen für den
April (ostarmanoth), der vermutlich dem christlichen Osterfest seinen Namen gegeben hat.
Oertel spricht sich
jedoch für die Form ’Austro’ (die Östliche) aus.
- Frühlingsgöttin, Göttin des wiederkehrenden Lichtes, der
Morgenröte (wie ind. Usas, griech. Eos, röm. Aurora). Der Schweizer Asatruar
Pileatus hat sich dahingehend geäußert, daß die "große Göttin"
der indogermanischen Welt eine Sonnengöttin sei - und Ostara sei ein Aspekt von ihr.
- Der VfGH schreibt, daß
Ostara als Göttin der Donau (die früher Ister hieß), gesehen werden kann
und dann mit der keltischen Göttin Dana oder Nana identisch wäre.
Somit könnte man vermuten, ob die Frau des "Lichtgottes"
Baldur passenderweise Ostara / Nanna gewesen ist.
Sif
- Thors Frau, Mutter von Ullr (Vater ist
nicht Thor) und
von Thors Sohn Modi.
- Sif hat auffallend goldenes Haar, das man früher mit dem "goldenen Getreide" zur Erntezeit
gleichsetzte; ein Fruchtbarkeitsaspekt, der zu dem ihres Gatten passen würde. Das Haar wurde ihr in der bekanntesten
Geschichte um diese Göttin von Loki geschoren.
- Sif wird auch mit Schönheit / Eitelkeit verbunden sowie mit "erweiterten Familien" bzw. Stief-Beziehungen (Stiefmutter ...).
Idun
- Jugendliche Göttin, Bragis Frau und
Schützerin junger Mädchen.
- Idun verwahrt die magischen Äpfel, die den Göttern zu ewiger Jugend verhelfen.
- Anrufungen
Skadi
- Riesin aus der Bergwelt, gute Jägerin und Skifahrerin. Bezug
zu den Bergen und zum Winter. Weiblicher Gegenpart zu
Ullr.
- Sie ist mit Njörd unglücklich verheiratet
und lebt im Haus ihres toten Vaters Thjazi in Thrymheim. Als Wiedergutmachung für die Tötung des
Vaters wird Skadi in die Reihen der Asen aufgenommen.
Ich will den Gott nicht, der den Frieden gibt,
ich will den Gott nicht, der in Mauern wohnt,
ich will den Gott nicht, der unsichtbar thront,
ich will den Gott nicht, der das Recht verschiebt.
Ich will den Gott nicht, der die Demut lohnt,
ich will den Gott nicht, der den Sklaven liebt,
denn ich bin Herr, vor meiner Faust zerstiebt
alles, was seine falsche Milde schont! |
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Ich will den Gott im grünen Eichenkleid,
ich will den Gott, der dumpf im Donner schreit,
ich will den Gott, der lichten Lenz mir bürgt,
und will den Eisgott, der die Sonne würgt,
ich will den Gott, der Blitzes Peitsche schwingt,
der meines heil’gen Waldes Sturmlied singt.
[R. Hohlbaum, ’Wittekind’] |