Wir haben es mit sprachlichen und außersprachlichen Quellen zu tun.
Bei den außersprachlichen Quellen stehen die Ergebnisse der Archäologie
ganz weit vorne (Grabbeigaben, Opfer- und Weihegaben, Bodenfunde allgemein ...). Dazu kommen die Interpretation von Höhlen-
und Felszeichnungen sowie der Bildsteine (v.a. auf Gotland).
Bei den sprachlichen Quellen kommen auf einer elementaren Ebene die Orts-, Gewässer- und
Personennamen in Betracht. Dann folgen die Inschriften auf Gebrauchs- und Schmuckobjekten (Münzen,
Runeninschriften), weiterhin (Zauber-)Sprüche, Runengedichte.
Doch die Masse des Forschungsmaterials sind Schriften von zumeist griechischen
und römischen Autoren: Gesetzestexte, Länder- und Völkerbeschreibungen,
Kriegsaufzeichnungen, später dann mittelalterliche Texte bis hin zu den
Eddas und Sagas.
Das eine, große Problem für die Forschung (und heutige
Rekonstruktion der Religion) ist, daß
es keine von heidnischen Germanen verfaßte
Texte gibt - wenn man von runischen Sprüchen auf Steinen u.ä. absieht.
Åke Ström drückt es so aus:
"Es gibt kein einziges erhaltenes Textstück, von dem wir mit Sicherheit
sagen können, es sei im Kultus rezitiert worden." Auch
Schuppener faßt die
Quellenlage ähnlich zusammen: "Bei nahezu allen Schriftquellen zur germanischen Mythologie
muss man berücksichtigen, dass sie aus einer Zeit des Umbruchs herrühren, in der die
Christianisierung der Germanen schon eingesetzt hatte bzw. sogar bereits vollzogen war."
Das macht die Sache kompliziert und setzt voraus, daß man a) die Quellen
gut kennt und b) durch vergleichendes Quellenstudium zu brauchbaren Aussagen kommt.
Zum Glück kann man sich vieles aus der Sekundärliteratur erarbeiten.
Dazu kommt, daß sich die Eddatexte und sonstige Quellen oft nicht zur Deckung bringen lassen.
Bekanntes Beispiel: Aus der Ortsnamenforschung ist bekannt, daß der oberste Gott der Eddas, Odin, auf Island gar keine
und in Norwegen eine bescheidene Rolle spielte. Dagegen steht, daß der in den Eddas nur am Rande auftauchende Ullr
aufgrund der Häufigkeit in Ortsnamensbildungen im ostnorwegischen und schwedischen Raum eine viel größere Rolle gespielt
haben muß, als es die Quellen belegen.
Wolfram und
Wolters weisen darauf hin, daß
die entscheidenden Quellensammlungen folgende sind:
Bis 5. Jhd. decken Herrmann und
Goetz / Welwei ab.
Ab 5. Jhd. decken Wattenbach et al. ab.
Weiterhin wird Clemen oft zitiert (lateinische
Quellen, nicht übersetzt).
Die Autoren Golther,
Schwarz und
Krüger
geben eine guten Übersicht über die literarischen Quellen.
Am ausführlichsten fand ich jedoch die Angaben im Quellenband von
Baetke, die
ich im Anschluß übernommen habe. Hinweis dazu: Man muß das
nicht alles im Original gelesen haben, um die Alte Sitte ausüben zu können. ;-)
Die wichtigsten Quellen, die einem immer wieder begegnen, sind
hervorgehoben. Die Angaben folgen dem Schema
Autor - Werk (Entstehungszeit)
Es gilt daher nicht bloß, die erhaltenen Quellen zu deuten; ihr Beweiswert selbst steht
dauernd auf dem Spiel. Daraus erklärt sich, daß der gleiche Text manchmal zu völlig verschiedenen
Interpretationen Anlaß gibt. [Derolez]
Antike griechische und römische Schriftsteller
Agathias (um 530 - 580)
Apollinaris Sidonius (um 430 - ~480)
Appianus - Historia Romana (vor 165)
C.J. Caesar - De Bello Gallico (52/51 v.u.Z.)
Cassius Dio - Römische Geschichte (zwischen 210 und 230)
Florus - Epitome (Abriß einer römischen Geschichte; zwischen 120 und 130)
Julius Frontinus - Strategemata (zwischen 84 und 96)
Ammianus Marcellinus - Libri rerum gestarum (394 vollendet)
Paulus Orosius - Historia adversus paganos (417)
Plutarch - Vita Caesaris / Vita Marii (zwischen 100 und 120 u.Z.)