Er stellte das Weihtum aus Stein mir auf,
dem Glase gleich glänzt nun der Stein;
er rötet ihn frisch mit Rinderblut:
Ottar ehrte die Asinnen stets.
[Freya im Hyndlalied, nach Genzmer]
Seit es diese Seiten gibt, habe ich an einer Ritualvorlage gearbeitet. Immer wieder wurde diese überarbeitet, auch mal komplett neu geschrieben. Letztlich ergab sich ein Ritual in 9 Schritten. Parallel zu meinen Ausarbeitungen machten sich andere Leute Gedanken, so der damalige 1. Vorsitzende des VfGH, Volker Kunze, wie auch der 2. Vorsitzende bzw. Ewart, Fritz Steinbock. Beide kamen auch zu einer Abfolge von 9 Schritten, die Fritz Steinbock in der VfGH-Zeitschrift Ringhorn bzw. in seinem Buch Das Heilige Fest erläutert hat. Da ich selbst VfGH-Mitglied bin (und Fritz’ Arbeit zu würdigen weiß), habe ich nun beschlossen, auf meinen Seiten ausschließlich die im VfGH übliche Form des Ritualablaufs zu verwenden, die ich im übrigen auch für meine eigenen Rituale benutze. Daß diese mit meiner ursprünglichen Arbeit weitgehend konform geht, ergibt sich aus den Anmerkungen, die ich in der rechten Spalte der untenstehenden Tabelle mache. Dennoch sei darauf hingewiesen, daß diese konkrete Abfolge des Rituals, das ahd. bigang (ursprünglich wurde das Wort für Umzüge verwendet, es ist männlich, das i wird lang gesprochen) genannt wird, © Fritz Steinbock ist. (Im Gegensatz zum bigang nennt Steinbock die Lebenskreisfeste "Feiern", fira.)
Das auf dieser Seite beschriebene Ritual ist eine "neuheidnische Version" eines Opferrituals.
Neuheidnisch deshalb, weil essentielle Bestandteile des historischen
Vorbilds wie z.B. das Schlachten eines Opfertieres und das Bespritzen eines Steinaltars mit
dem Blut des Tieres weggefallen sind.
Vor Beginn des Bigangs wird der ausgesuchte Platz ein wenig vorbereitet und gesäubert;
die benötigten Utensilien werden bereitgelegt.
Den Teilnehmern sollte vorab mitgeteilt werden, was sie mitzubringen haben und welche
Kleidung anzuziehen ist (s. Checkliste). Vor dem Beginn sollte das Ritual
durchgesprochen werden, so daß auch Neulinge wissen, wie der Ablauf ist.
Die Teilnehmer stellen sich im Kreis um die Mitte auf, wo bereits die
Opfergaben und sonstigen Utensilien auf einer Art Altar angerichtet sind.
Als Altar nehme ich nur ein Tuch, auf dem ich die Dinge arrangiere. Das sieht dann
so ähnlich aus wie die Heilige Mitte.
| Bigang (© F. Steinbock) | Mein ursprünglicher Ritualablauf | ||||||||||||||||||||||||
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| 1) Haga und Wîha Einhegung und Weihe erfolgen mittels Elementekreis (welhaga) und Hammerritual (s. rechts). Die Anrufung der "Wächter der Himmelsrichtungen" (Norðri, Austri, Suðri, Vestri) dient als Vehikel zur Integration des bei Neuheiden beliebten Elementekreises in die germanische Tradition. |
Richtigerweise beginnt Fritz das Ritual mit Einhegen und Weihe.
Ich hatte hier zunächst eine allgemeine Anrufung
der Götter, finde es aber passender, erst die Platzweihe zu machen. Die Existenz dieser Anrufung im VfGH ist aus dessen Entwicklung bedingt - ich bevorzuge Blotar ohne Elementekreis, habe dennoch eine Zusammenstellung von Elementen und deren Attributen auf meinen Seiten. Das Weihen des Platzes bedeutet, daß er für die Zeit des Rituals von der "Alltagswelt" abgehoben wird; er wird "heilig". Das von E. Thorsson beschriebene Hammer-Ritual hat sich bei vielen Heiden durchgesetzt. Der Bigangleiter spricht die folgenden Verse jeweils in Algiz-Stellung und nach jedem Vers macht er ein Hammerzeichen. Hier das Hammerritual:
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| 2) Heilazzen (gesprochen: Heilassen) Dies ist der Gruß an die Götter, z.B. mittels eines ganz kurzen Grußes, dieser Anrufung oder einer längeren, freien Rede, und die Bitte um Heil für den Bigang. |
Nach einer allgemeinen Anrufung der Götter verwende ich hier gerne diesen schönen Text von
[©]:
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| 3) Reda Die einführenden Worte des Ritualleiters zum Hintergrund des Festes. Dient auch der Erklärung des Ritualablaufes für Gäste. |
Zu den Festanlässen habe ich Beispielansprachen geschrieben. Die bei meinem Ritual ursprünglich ganz zu Anfang stattfindende Begrüßung der Ritualteilnehmer ist an dieser Stelle besser aufgehoben. Im übrigen werden bei der dem Bigang vorangehenden Besprechung sowieso die Teilnehmer begrüßt und neue Teilnehmer mit dem Ablauf des Rituals bekanntgemacht. | ||||||||||||||||||||||||
| 4) Zunten Das Entzünden des Ritualfeuers mit einem Feuerspruch, z.B. dem vom OR übernommenen: Im Namen der hohen Götter entzünden wir Die heilige Flamme der Reinigung und der Schöpfung, das erste Mysterium und die letzte Gnade. Flamme wachse an Flamme, Daß Leben, Licht und Wärme sich mehren Und nicht verlöschen vor der Zeit. |
Das rituelle Feuer war bei mir nicht so hoch bewertet, daß es einen eigenen Punkt bekam. | ||||||||||||||||||||||||
| 5) Spill und Gibet Vor der eigentlichen Opferung werden die Götter angerufen. Eine Anrufung setzt sich aus Spill (Spruch) und Gibet (der eigentlichen Bitte) zusammen. Die Aufteilung entspricht historischen Vorlagen wie z.B. dem 2. Merseburger Zauberspruch. Im Spill wird die Gottheit in ihren Attributen beschrieben, wozu z.B. spezielle Umschreibungen (kenningar) verwendet werden: Rabengott, Walvater, Sleipnirs und Gungnirs Herr, Runenmeister usw. für Odin. Dies dient dazu, das Bild der Gottheit vor dem inneren Augen der Beteiligten entstehen zu lassen. Im Anschluß folgt dann das Gibet, also die Bitte oder auch Danksagung. |
Die Anrufung kann in freier Rede stattfinden oder auch als auswendig gelernte,
vorformulierte Anrufung aufgesagt werden. Man sollte generell versuchen, lieber frei mit ein wenig Stocken o.ä.
zu sprechen, als vom Blatt abzulesen. Zum einen sehen die Zettel, die die Leute in der Hand halten, nicht so schön
aus, zum anderen wirkt Ablesen weniger schön als jede freie Sprache, die auch mal einen Fehler haben darf.
Am besten macht man seine Anrufung in der Stellung der Rune Algiz. Beispiele für allgemeine Anrufungen. |
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| 6) Rûnagaldar Hier folgt nun das ein- oder mehrmalige Singen der Runenreihe (Futhark) oder ausgewählter, zum Fest passender Runen. |
Das gemeinsame Singen der Runenreihe dient zum einen dem Aufbau einer Gruppendynamik, denn
es schafft Zusammenhalt und Gruppengefühl. Zum anderen bedeutet das Singen der Runenreihe, daß alle Kräfte
des Universums (repräsentiert durch die 24 Runen) versammelt werden sollen bzw. daß wir uns ihrer bewußt werden.
Man kann jede Rune dreimal singen oder auch die gesamte Reihe nacheinander mehrfach. An dieser Stelle kann auch eine Meditation, z.B. Baummeditation oder Varianten des Erdens und Zentrierens, eingeflochten werden. |
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| 7) Gilt Dies ist die eigentliche Opferung. Gilt (lat. sacrificium) meint alle Opfergaben außer dem Trankopfer, das als Bluostrar dem Opfern der anderen Gaben folgt. Die Gaben werden vor dem Bigang bereits in Schalen bereitgestellt. |
Die auf meinen Seiten erfolgte Trennung zwischen Blot
(als Speise- und Trankopfer) und Sumbel
(Trankritual mit Ehrung von Göttern, Ahnen ...) teilt Steinbock vermutlich historisch
korrekter nach Gilt und Bluostrar auf. Auch führte ich früher Weihung der Opfergaben und Akt des Opferns
unter eigenen Punkten, was aber nicht viel Sinn macht. Geweiht werden die Gaben dennoch, dazu
kann z.B. Thor / Donar mit einem entsprechenden Text angerufen werden. Die Opferung (Ablegen der Gaben auf der Erde / Verbrennen im Feuer) kann mit entsprechenden Worten begleitet werden. Mein Beispiel: "Von den Göttern zur Erde zu uns, von uns zur Erde zu den Göttern, Gabe um Gabe. Ansuz - Mannaz - Ansuz - Gebo- Heil!" Eine schöne Sitte ist es, von selbstgebackenem Brot zu opfern, diese aber vorher im Kreis herumgehen zu lassen, so daß jeder sich einen Teil abbrechen kann. |
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| 8) Bluostrar Das Trankopfer (vgl. Sumbel), bei dem das Horn (im Uhrzeigersinn) kreist und jeder einen Spruch sagt und etwas vom Getränk opfert. Im VfGH gibt es traditionell 3 Runden: die erste auf die Götter (oder eine spezielle Gottheit), die zweite auf die Ahnen, die dritte ist frei. Beim Weiterreichen des Horns sagt man "Trink Heil", der Annehmende spricht "Sei heil". |
In VfGH-Ritualen wird den Teilnehmenden freigestellt, ob sie etwas im Kreis sagen wollen oder dies lieber nur "im Geiste" äußern wollen. Das mag Neulingen entgegenkommen, ich finde es allerdings nicht so passend, wenn jemand dabei schweigt. | ||||||||||||||||||||||||
| 9) Ûzlâz Der Schluß des Rituals umfaßt den Dank an Götter und den Wesenheiten des Platzes und die Auflösung des Ritualkreises. |
Dieser Punkt war bei mir ursprünglich zweigeteilt in "Dank an Donar" und
"Ausleitung". Es ging um dasselbe - die rituelle Auflösung des bei Punkt 1 geweihten Platzes.
Dabei diente mir der 8. Punkt (Dank an Donar) noch dazu, freie Elemente, z.B. ein gemeinsames Lied, einzufügen. Für den Abschluß eignet sich z.B. dieses Zitat (Vafþrúðnismál 4): Heill þú farir, heill þú aftr komir, heill þú á sinnum sér! [Heil denn fahre, heil denn kehre, Heil dir auf deinen Wegen!] Man kann dann mit Ásaheill! (Heil der Götter) schließen. |