Vorbemerkung: Der Brauch der Heiligen Mitte ist für die historische Religion der Germanen nicht belegt und stellt eine neuheidnische Hinzufügung dar.
Die Heilige Mitte ist eine Art Altar, sie kann temporär zu Ritualen erstellt werden oder aber auch in einer Wohnung dauerhaft, doch jahreszeitlich wechselnd, aufgebaut sein. Nach Folkerts hat die Heilige Mitte diese Aufgabe: "Die Symbolik der Heiligen Mitte verdeutlicht und untermalt das Geschehen eines Festes oder Rituals." Sie wird mit den Gaben der Natur ausgestaltet und bezieht ihre Motivik von der Jahreslaufsymbolik, der Sonnen- und Lichtsymbolik. Gearbeitet wird mit farbigen Tüchern als Grundlage, auf der zahlreiche Dinge meist im Rund arrangiert werden. Die Grundfarben sind - jahreszeitlich wechselnd - weiß, rot und schwarz. Nach einem anderen Buch von Folkerts soll der "Anblick des Rundsymbols" Sinne und Gefühle anregen.
Das Ausgestalten der Heiligen Mitte ist besonders lohnend mit Kindern, da man diese aktiv an der Gestaltung beteiligen kann und sie somit in engem Kontakt zur jahreszeitlich wechselnden Natur stehen. So wird der "Umbau" der Heiligen Mitte zu einer Art Ritual für die ganze Familie.
Im (Vor-)Frühjahr (Disting) wählt man helle Tücher, z.B. in weiss, gelb oder rosa. Da die Sonne noch schwach ist, plaziert man Teelichter oder kleine Kerzen im Rund. Man kann auch eine richtige (kleine) Laterne in die Mitte stellen. Generell sollte die Dekoration im frühen Frühjahr eher sparsam und auf den Lichteffekt konzentriert sein. Man kann grünende Zweige oder erste Blumen (evtl. mit Wurzeln ausgegraben) hinzufügen. Zu Ostara stellt man dann eine größere Kerze ins Zentrum, die mit einem gelben oder goldfarbenen Schmuckband umwickelt ist. Als weitere Zutaten bieten sich Eier an bzw. Sinnbildgebäck (Schnecken, Widder, Hahn, Huhn, Küken, Eier, Hasen). Als weitere Objekte kann man einen hellen Stein / Kristall verwenden.
Um die Üppigkeit und Lebensfülle im Sommer zu symbolisieren, wählt man ein rotes Tuch als Basis. Um die Wonnenacht wird die Ostaradekoration weggenommen. Eine große Kerze wird in der Mitte plaziert, man kann auch weitere Kerzen im Rund anordnen. Hier sind nun auch Schalen mit Blüten der Saison angebracht (Johanniskraut, Hollunder, Mohn, Rose). Als Sinnbildgebäck kommen vor allem Sonnenräder und -spiralen in Frage. Weitere Objekte können sein: Muscheln, Steine, Federn, Grashalme.
Für die Zeit der Ernte (Herbstfest) wählt man ein grünes oder korn-gelbes Tuch. Selbstverständlich bestückt man die Heilige Mitte mit den Ernteerträgen, also Ähren, Früchten, Beeren, Pilzen. Sehr schön sieht auch ein kleines, gebackenes Brot aus, das man hinzufügen kann. Als Lichtquelle wählt man eine nicht zu große Kerze, die mit dem schwächer werdenden Licht korreliert. Später, zur Zeit der Winternächte, kann man kleine Kürbisse hinzufügen.
Für die dunkle Jahreszeit nimmt man als Grundlage ein schwarzes Tuch, das
aber zur Wintersonnenwende durch ein kleines,
rotes Tuch im Zentrum ergänzt bzw. überlagert wird.
Im Zentrum steht der Julleuchter oder ein in einem Glas verhülltes Teelicht.
Letzteres kann mit rotem Papier umwickelt eine Mini-Laterne darstellen. Nach der
Sonnenwende kann man eine größere Kerze verwenden.
Als Zutaten bieten sich Steine oder Kristalle an, Nüsse, Äpfel, eine
Räucherschale, Runensteine,
Tannen- oder Eibenzweige, Efeuästchen, Spiralgebäck.
Die Bilder (s.u.) zeigen die Heilige Mitte vor der Wintersonnenwende (Teelicht im Innern des Julleuchters)
und in der Zeit nach der Sonnenwende (Kerze steht auf dem Julleuchter).
Von anderen neuheidnischen (esoterischen) Strömungen ist der Verweis auf die Elemente bekannt. Diese Elemente sind nicht in einem chemisch-biologischen Sinn zu verstehen, sondern als symbolische Bausteine der Welt um uns (und in uns). Bei der Alten Sitte finden sie kaum Verwendung, aber ich möchte trotzdem hier eine Tabelle einbinden, aus der man sich Anregungen gerade für die Heilige Mitte nehmen kann.
| Erde | Luft | Feuer | Wasser |
|---|---|---|---|
| Norden | Osten | Süden | Westen |
| Othala | Ansuz | Kenaz | Laguz |
| Niflheim | Jötunheim | Muspellheim | Vanaheim |
| weiblich | männlich | männlich | weiblich |
| Vanen | Asen | Asen | Vanen |
| Winter | Frühjahr | Sommer | Herbst |
| Winternächte, Julfest | Disting, Ostara | Wonnenacht, Mittsommer | Schnitterfest, Herbstfest |
| Nacht | Morgendämmerung | Mittag | Abenddämmerung |
| Alter | Geburt | Jugend | Reife |
| Neumond | zunehmender Mond | Vollmond | abnehmender Mond |
| braun-grün | grau-blau | rot-gelb | blau-grün |
| Schale, Salz, Steine, Erde, Kräuter | Federn, Räucherwerk, Ritualmesser | Räucherwerk, Kerzen, Fackeln, Ritualstab | Kelch, Becher |
| Körper, Materie, (Stand-)Festigkeit, körperliche Stärke, Verantwortung, Lebensfertigkeiten, materielle Dinge, Realitätssinn, Verpflichtungen, Fertigkeiten allgemein, Leistung, Fruchtbarkeit, Wachstum, Fülle | Geist, Intellekt, Weisheit, Wissen, Ratio, Innovation, Wechsel, Veränderung, Toleranz, Nachdenklichkeit, Koordination, Atem, Visionen, Visualisierung, Himmel | Leidenschaft, Wille, Selbstvertrauen, Aggressivität, Enthusiasmus, Wettbewerb, Aktivität, Begeisterung, Schwung, Lebenslust, Impulsivität, Kreativität, Inspiration, Sexualität | Gefühle, Reinigung, Mitgefühl, psychische Fähigkeiten, das Unbewußte, Liebe, Sympathie, Sensibilität, Spiritualität, Familie, Heilung, Opferbereitschaft, Glaube, Sippengefühl |
| Rose, Ylang Ylang, Fichte, Kampher, Eukalyptus, Moschus, Zypresse | Lavendel, Wacholder, Heidekraut, Zeder, Salbei, Sandelholz | Bergamotte, Limone, Rosmarin, Myrrhe, Patchouli | Baldrian, Jasmin, Kamille, Myrte, Grapefruit, Nelke |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Was macht man mit der Dekoration, wenn man sie nicht mehr braucht? Nun, man bringt sie wieder dahin, wo man sie hergeholt hat: in den Wald. Wir haben bei uns eine über hundertjährige Buche (s. Bild unten), an der wir diese und andere Dinge opfern.