Jahreskreisfeste

JulblótDisenblótFrühjahrsblótSigrblótMittsommerblótHerbstblótWinternächteblót

 

Nordsee, Amrum - Homme libre, toujours tu chériras la mer (Baudelaire)

Der Festkalender der germanischen Völker war nicht einheitlich und variierte regional wie auch in den einzelnen Epochen. Nach Snorri Sturluson gab es in Skandinavien drei jährliche Hauptfeste: am Beginn des Winters das disablót für Fülle im kommenden Jahr, in der Mitte des Winters jól (Jul) für Wachstum und Korn und im Sommer das sigrblót für Sieg. Nach dem isländischen Kalender war das Jahr in eine Winter- und Sommerhälfte geteilt, an deren Scheidepunkten im Oktober und April nach den Sagas Opfer gehalten wurden. Das Mittwinteropfer (jól) fiel in die Mitte des Januars. Der angelsächsische Kalender teilt das Jahr durch die Sonnenwenden und läßt es mit der modraniht (Mütternacht) vom 24. auf den 25. Dezember beginnen. Der April heißt eostremanoth und ist wie der althochdeutsche ostarmanoth nach dem Fest der Eostre (Ostara) benannt. Trotz aller Abweichungen lassen sich also vier Hauptfeste ausmachen: Jul und Mittsommer an oder nach den Sonnenwenden sowie je eines im Herbst und im Frühling. Mit ziemlicher Sicherheit gehen sie schon auf die Bronzezeit zurück, in der die astronomische Beobachtung weit fortgeschritten war und offensichtlich in kultischem Zusammenhang stand.

Steinbock (S.115)

Zeitliche Einordnung

Die zeitliche Einordnung der einzelnen Festzeitpunkte und deren Abwägungen können auf der Seite zum jeweiligen Fest nachgelesen werden.

Julblót Wintersonnenwende
Disenblót Februar Vollmond u. Winternächte
Frühjahrsblót Tagundnachtgleiche
Sigrblót Ende April, Vollmond
Mittsommerblót Sommersonnenwende
Herbstblót Tagundnachtgleiche
Winternächteblót Oktober Vollmond

 

Herbst / Frühwinter:

Formulierungen: i móti vetri til árs / at vetrnóttum / blót á haust ok fagna þá vetri
Zweck: til árs ok friðar - für ein (gutes) Jahr und Frieden (gemeint ist der Frieden innerhalb der Sippe und mit den Göttern), ursprünglich wahrscheinlich nur blóta til árs.
Deutung: Blótfest zu den "Winternächten", historisch ca. Ende Gilbhard (Monatsnamen). Beda Venerabilis nennt den Neblung blotmonath, also Opfermonat.
Anzumerken ist, daß es in Verbindung mit den Winternächten auch eine Erwähnung eines dísablót / álfablót gibt, also eines Opferfestes zu Ehren der Disir / Disen und Álfr (Elfen). In der Gísla saga Súrssonar wird speziell Freyr als Opferempfänger erwähnt. Es zeichnet sich also eine Verbindung ab: (gute) Ernte - Freyr - Fruchtbarkeit - Disir. Hierzu paßt die ebenfalls im Spätherbst verortete Erzählung vom Völsi (der rituellen Verwendung eines konservierten Pferde-Penis), die fruchtbarkeits(magische) Elemente aufweist.

Mittwinter:

Formulierungen: at miðjum vetri blóta til gródrar, miðsvetrarblót,
Zweck: til (árs ok) friðar ok vetrarfars gôðs, til gródrar - für Frieden und eine gute Winterszeit / Verlauf des Winters, für Wachstum
Deutung: Laut Beck gibt es keinen Zweifel, daß das Mittwinterfest mit dem Julfest identisch ist. Im Zusammenhang mit dem Mittwinterblót sind auch die Begriffe jólaveizla - Julschmaus - und heitstrenging - Juleide mit Handauflegen auf den Juleber - zu sehen.

Frühjahr / Frühsommer:

Formulierungen: blót móti sumri / at sumri / fanga sumri / sigrblót
Zweck: at friðr væri, at fagna sumri, til sigr - Frieden (innerhalb der eigenen Sippe) und Begrüßung des Sommers, Sieg in Vorhaben und Auseinandersetzungen
Deutung: Die 'Sommerbegrüßung' (fanga sumri) lag vermutlich im späten Frühjahr bzw. zum Sommeranfang, nicht jedoch zu Mittsommer. Es kann also ein Fest ca. im Wonnemond gewesen sein. Das "Siegopfer" (sigrblót) fällt etwas aus dem jahreszeitlichen Bezug der übrigen Feste heraus. Wahrscheinlich ist es im Hinblick auf (kriegerische) Unternehmungen im Sommer zu sehen (als Bitte um Sieg) oder aber im übertragenen Sinne (der Sommer siegt über den Winter).
Auch hier sei in Ergänzung noch einmal auf Beda Venerabilis hingewiesen, der die Feste der Göttinnen Hreda und Eostre-(Ostara-)Fest als Frühjahrsfeste beschreibt.

Im Reallexikon der germanischen Altertumskunde (Beck et al., Bd. 25) wird auf die Verbreitung dieser Rituale verwiesen: "Diese periodisch wiederkehrenden Feste finden sich laut Snorri im schwed. Uppland wie im norw. Trøndelag. Wahrscheinlich waren sie in ganz Skand. verbreitet, doch muß mit gewissen Variationen gerechnet werden."

Seiteninfo: 1.Autor: ING | 2.Autor: Stilkam | Weitere Autoren: - | Stand: 25.01.2016 | Urheberrecht beachten!